Indonesien
Januar 13, 2015

111 Tage Indo­ne­sien - Der Rückblick

Bootstrip zu den Komodo-Inseln
Sowas hatte ich nun wirk­lich noch nicht erlebt. Die ganze Ankunfts­halle war voll davon, als ich am letz­ten Mai­frei­tag am Flug­ha­fen in Den­pa­sar auf Bali ankam. Voll von Per­so­nen­leit­sys­te­men. So nennt das Büro­kra­ten­deutsch diese Abgren­zungs­tän­der mit den dazwi­schen gespann­ten Gur­ten. Nicht nur die Halle war voll mit die­sen Gur­ten. Nein, auch hun­derte Men­schen stan­den zwi­schen ihnen. Obwohl es bereits 22 Uhr war. Viele schon mit den Dol­lar­schei­nen in der Hand, um die Gebüh­ren für das Visa on arri­val zu beglei­chen. Es war die Zeit, als der Rei­sende noch 25 Dol­lar berap­pen musste, um in Indo­ne­sien Tou­rist sein zu dür­fen. Mitt­ler­weile sind es zehn mehr, aber schon damals dachte ich, dass Indo­ne­sien eigent­lich im Geld schwim­men müsste, wenn das hier jeden Tag so zugeht.

Es war auch die Zeit kurz vor dem Beginn der Fußball-Weltmeisterschaft, als noch kei­ner wusste, was etli­che Wochen spä­ter pas­sie­ren würde, ich aber unbe­dingt wis­sen wollte, was denn pas­sie­ren könnte und daher schon bald das Rei­sen aus dem Blick ver­lor – und nur noch nach schnel­lem Inter­net und Fern­se­hern lechzte.

Das führte in meh­re­ren, teils unglück­li­chen, Etap­pen zum fina­len Desas­ter auf Java, als der Flug raus aus Indo­ne­sien eigent­lich schon gebucht war, ich glück­li­che Seele aber auf zwei Weit­ge­reiste traf, die meine lee­ren Gedan­ken mit Inhalt füll­ten. Wäre das nicht gesche­hen, könnte ich jetzt nicht auf 111 Tage in Indo­ne­sien zurück­bli­cken. Auf fast vier Monate, die mit einem vul­ka­ni­schen High­light began­nen, holp­rig wei­ter­führ­ten und schließ­lich mit Geschich­ten und Momen­ten über und unter Was­ser ihren Lauf nah­men, die ich so nun wirk­lich noch nicht erlebt hatte. Und dabei waren die­ses Mal keine Per­so­nen­leit­sys­teme im Spiel.

BALI

Was nicht wirk­lich stimmt: Denn von Bali sah ich nur einen über­ner­vö­sen Taxi­fah­rer, der durch eine Schein­wer­fer­la­wine in mein Hos­tel in Kuta raste. Mehr nicht. Am nächs­ten Mor­gen ging es mit dem Schnell­boot nach Lom­bok. Dort war­te­ten Freunde aus Mainz auf mich.

LOM­BOK
Gili Trawangan
Die ers­ten Stun­den: Ein Schnell­boot ist teuer und nimmt auf Wel­len­gang keine Rück­sicht. Leicht­be­sai­te­ten könnte das übel auf­sto­ßen. Rücken­lei­den wer­den außer­dem nicht mit hoher Geschwin­dig­keit auf dem Meer geheilt.

Mainz in Indo­ne­sien: Nach zwei­ein­halb Stunde auf Gili Tra­wan­gan, eine Insel von ins­ge­samt drei. Pferde über­all. Die Men­schen in Kut­schen trans­por­tie­ren. Für mich ein Fruchts­hake irgendwo am schma­len Haupt­weg. Dort war­tete bereits die Main­zer Orga­ni­sa­ti­ons­ab­tei­lung, die auch schon mei­nen Trip auf den gegen­über­lie­gen­den Mount Rin­jani gebucht hatte. Zusam­men­te­le­fo­nie­ren ohne indo­ne­si­sche Sim-Karte. Das dürf­ten auch meine ers­ten Euros gewe­sen sein...

Der Schock: Als unser Abhol­ser­vice für die Vul­kan­tour die Katze von rechts nicht sah. Ich schon, der Rück­sitz aber eben keine Bremse hat, die Katze nicht nach links blickte und so in ihre letz­ten Sekun­den lief. Die Über­reste kamen ver­packt in den Kof­fer­raum. Der Schock saß dann doch tief.
Mount Rinjani - Lombok
Von 30 auf 0 Grad: Dschun­gel, Hob­bit­land, Stein­wüste, Regen, Nebel, Kälte, 3726 Meter. Der drei­tä­gige Auf­stieg auf den Rin­jani ein Erleb­nis für sich. Abso­lut empfehlenswert.

GILI-INSELN
Gili Trawangan
Was andere sagen: Tauch­pa­ra­dies, Par­ty­para­dies, Flitterwochen-Paradies.

Was ich sage: Kein Para­dies. Damals tauchte ich noch nicht. Ver­hei­ra­tet war ich auch noch nicht. Zwei Tage zur Erho­lung nach der Vul­kan­tor­tur waren ok. Mehr aber auch nicht. So rich­tig Strand­mensch bin ich eben nicht. Immer­hin lus­tig: Kat­zen im Lie­ge­stuhl am Pool.
Gili Trawangan
Was andere mich frag­ten: Ob ich Gras oder magi­sche Pilze möchte? Immer beglei­tet von einem „tsch tsch“ oder der vor­an­ge­stell­ten, schein­hei­li­gen Frage, ob ich denn auf der Suche nach einer Unter­kunft sei. Alter­na­tiv wird einem vom Bar­mann auch aus meter­wei­ter Ent­fer­nung ein ver­trock­ne­tes „Kräu­ter­bün­del“ präsentiert.

ZURÜCK AUF BALI
Padang Padang Surfen Bali
Was Spaß machte: Surf­ver­su­che in Padang Padang. Erfolg­rei­che Ver­su­che nach einem Tag. Erfolg­lo­ses Ver­hin­dern, Salz­was­ser und noch­mal viel mehr Salz­was­ser zu schlu­cken. Gewalt des Was­sers spü­ren. Einen bösen Cut von der Surfbrett-Flosse holen. Muskelkater-Weltrekord täg­lich überbieten.

Kuta: Zen­trum des Pau­schal­tou­ris­mus. 2002 tötete eine Auto­bombe über 200 Men­schen in Dis­kos. Voll­ge­stopft mit Shop­pings Malls und Bars. Fre­quen­tiert von par­ty­wü­ti­gen Ruck­sack­rei­sen­den. Für mich aber keine Party. Ein paar Stun­den Wel­len­su­chen reich­ten, um mein ach so sty­li­sches Haar­band für immer in den Flu­ten zu ver­lie­ren und fest­zu­stel­len, dass mehr Men­schen als Sand schlech­ter ist als anders­rum.
Strand in Kuta Bali
Mein Feh­ler: Dass ich ziel­los die Tage in Kuta ver­brachte, um am Abend die WM-Spiele bis in den frü­hen Mor­gen zu schauen. Immer­hin wohnte ich 20 Minu­ten vom Strand und der Par­ty­meile ent­fernt. Auch vier Tage in Ubud brach­ten kei­nen nen­nens­wer­ten Stim­mungs­wan­del. Ubud ist übri­gens die Stadt, in der mir alle zwan­zig Sekun­den eine Taxi­fahrt ange­bo­ten wurde. Nerv­tö­tend.
Tempel um Ubud
Posi­tive Aus­nahme: Die Land­schaft um Ubud. Scho­ene Tem­pel und Reis­fel­der. Medi­tie­rende Tou­ris­ten, die auf Fel­sen und im Gras sit­zen. Der fürch­ter­li­che Film „Eat, Pray, Love“ mit Julia Roberts spielt hier. Rol­ler­aus­fahrt sind die fünf Euro wert.

JAVA
Kawah Ijen, Java, Indonesien, Warnschild vor dem Kraterabstieg
Knock-Out: Eine nicht mehr fri­sche Kokos­nuss setzte mich am letz­ten Tag auf Bali außer Gefecht. Seit­dem bekomme ich schon Brech­reiz, wenn ich nur an Kokos­nuss­saft erin­nert werde. Die Nacht ist kurz und vol­ler Klo­gänge, die Bus­fahrt samt Fähre am nächs­ten Mor­gen auf die nächste Insel aber bereits gebucht. Erstaun­lich gut läuft dann die zehn­stün­dige Fahrt. Irgendwo am Stra­ßen­rand an der Süd­küste Javas werde ich aus­ge­setzt. Mein Motor­rad­t­axi fin­det eine Stunde lang die Unter­kunft nicht. Ich meine Geduld fast nicht mehr.

Rich­tig doof: Den Trip zum Schwe­fel­vul­kan Kawah Ijen so zu pla­nen, wie ich es gemacht habe. Abends ange­kom­men, nachts zum über­teu­er­ten Preis mit einem Freund des Gast­haus­in­ha­bers zum Start­punkt gebracht wer­den, die ein­zig­ar­ten blauen Schwe­fel­feuer im Dunk­len zu sehen, dann aber abzu­hauen, bevor es hell wird, weil der Zug gen Nor­den schon gebucht war.

Bes­ser: Nachts los, sich den Kra­ter aber auch bei Tages­licht anschauen. Und auf kei­nen Fall 30 Euro für den Trans­port zah­len. Beein­dru­ckende Fotos und Hin­ter­grund­in­fos gibt es dem Blog von David Loh­mu­el­ler.

Ende vor dem Neu­an­fang: Die in Indo­ne­sien am Nega­tivs­ten in Erin­ne­rung geblie­bene Bus­fahrt von Sura­baya nach Yogya­karta. Da im Land die Ferien begon­nen hat­ten, waren die Züge tage­lang aus­ge­bucht. Was blieb war ein vom Hos­tel ver­mit­tel­ter Mini­bus. Die Fahrt war irre, der Fah­rer irrer. Irrte irgend­wann umher, um Taxi­fah­rer nach dem Weg zu fra­gen. Die ver­spä­tete Ankunft nichts im Ver­gleich zur Deut­schen Bahn. Bin danach schon Flug­ver­bin­dun­gen bei Sky­scan­ner durchgegangen.

Der Wen­de­punkt: Illy und Valen­tin, die sich vor dem WM-Spiel Deutsch­land - Ghana an mei­nen Tisch setz­ten. Aus Suma­tra und Sula­wesi kamen, von Suma­tra und Sula­wesi schwärm­ten. Stun­den ver­gin­gen, ein 2:2 spä­ter war ent­schie­den: Aus­span­nen und neue Rei­se­lust fin­den am Pool, ein­fach mal nichts sehen, Visum ver­län­gern las­sen und dann nach Suma­tra und Sula­wesi.
Borobudur Java
Die bes­ten Schoko-Brownies: Gibt es zwei­fels­ohne in Yogya­karta. Zudem die bes­ten Pan­cakes mit geschmol­ze­ner Scho­ko­lade und Vanil­le­eis. Die gab es sie­ben Tage die Woche. Außer dem überteuert-enttäuschenden Borobudur-Tempel habe ich nichts von der Stadt gese­hen. Das war auch genau rich­tig so.

Was Java aus­zeich­net: Neun von zehn Rei­sen­den schwär­men vom Aus­flug auf den Bromo-Vulkan bzw. den Blick von einem ande­ren Berg auf den Bromo. Aus aku­ter Unlust habe ich das gewis­sent­lich links lie­gen gelas­sen. Groß­ar­tig sind aber die Zug­ver­bin­dun­gen auf Java. Nur auf Java gibt es Bahn­tras­sen. Die Wag­gons sind nicht ein­en­gend, kli­ma­ti­siert, die Fahrt rela­tiv bil­lig.
in Jakarta
Was sonst noch war: Jakarta. Erwar­tet hatte ich ein über­hitz­tes, voll­ge­stopf­tes Moloch. Über­hitzt und voll­ge­stopft ist die Haupt­stadt auch. Nicht zuletzt des­halb aber blieb sie posi­tiv in Erin­ne­rung, weil ich zusam­men mit ein paar andere Rei­sen­den einen ein­hei­mi­schen Ken­ner der Stadt im Hos­tel fand.

SUMA­TRA
Bukit Lawang
Schlep­pen­der Anfang: Medan mit dem Highs­core für das Zim­mer mit dem wider­lichs­ten Kloa­ken­ge­ruch - und Bukit Lawang. Der Trip in den Gunung-Leuser-Nationalpark erin­nerte eher an einen Men­schen­zoo als ein abge­le­ge­ner Fleck Erde, der gut zum Beob­ach­ten von Orang-Utans sein soll. Bes­ser eine Mehr­ta­ges­tour tie­fer in den Wald machen. Immer­hin ist das Dörf­chen super­schön am Fluss gele­gen, an dem sich der ganz nor­male All­tag abspielt.

End­los: Die Fahr­ten durch die Palmöl­plan­ta­gen. End­los groß: Amei­sen im Wald.
Mega-Ameise in Bukit Lawang

Para­die­si­sche Zustände: Tuk-Tuk klingt nach fahr­bah­rem asia­ti­schen Unter­satz. Ist aber auch ein Ort mit­ten im Toba­see, der einst durch einen Vul­kan­aus­bruch seine Kra­ter­form erhielt. Die Bun­ga­lows im Liberta Guest­house sind rie­sig und spot­bil­lig, das Klima ange­nehm. Lie­ferte mir hit­zige Duelle an der ver­dell­ten Tisch­ten­nis­platte mit einem Fran­zo­sen, der frü­her Junioren-Nationalspieler war. Die WM-Spiele wur­den zudem immer bes­ser. Bis nach dem Finale blieb ich. Zwölf Nächte waren es am Ende.
Lake Toba / Tuk Tuk / Samosir / Sumatra
Der Finne: Hieß Miikka, trank gerne Bier, raste gerne mit dem Rol­ler über die Stra­ßen ent­lang der gran­dio­sen Kra­ter­wände. Also trank ich auch Bier, raste auch über den Asphalt und fand mich schließ­lich in einer fin­ni­schen Drei­er­kombo wie­der, deren weib­li­che Zwei-Drittel-Mehrheit mir unan­stän­dige fin­ni­sche Wör­ter bei­brachte. Auch sonst blieb nicht alles legal, aber auf die­ser Insel mit­ten im See war das mehr als nur gedul­det.
Pulau Weh Rollerfahren
Schein­hei­lig­keit: Es war Rama­dan. Der Fas­ten­mo­nat, in dem die Mus­lime nur nach Son­nen­un­ter­gang essen und trin­ken dür­fen. Das für Suma­tra berühmte Padang Food, bei dem man aus ver­schie­de­nen Gerich­ten und Soßen sei­nen eige­nen Tel­ler zusam­men­stel­len kann, bekam ich daher gar nicht zu Gesicht. Obwohl es mit dem Nicht-Essen aber nicht so weit her ist: Der Hin­ter­ein­gang zum Restau­rant ist meis­tens offen. Kuriose Sze­nen in der Pro­vinz Aceh, ganz im Nor­den Suma­tras. Auf der Insel Pulau Weh war es den Gäs­ten ver­bo­ten, auf der Aus­sichts­ter­rasse Bier zu trin­ken. Mit dem Argu­ment, dass das andere sehen könn­ten. Keine zehn Trep­pen­stu­fen wei­ter oben, nahe dem Bar­be­reich, war aber erstaun­li­cher­weise wie­der alles in Ord­nung. Mehr Schein als Sein.

Unbe­zahl­bar: Herz­haft in einen Was­ser­ap­fel voll mit Amei­sen zu beißen.

Kilo­me­ter 0: Nörd­lichste Stelle des Lan­des. Auf Pulau Weh gele­gen. Bis auf ein Monu­ment kein beson­de­rer Ort. Nicht als Blick auf das Meer. Ich war mit einem deut­schen Päar­chen aus Wies­ba­den unter­wegs, die ich eine Woche zuvor getrof­fen hatte. Schnor­cheln, Rol­ler fah­ren, Lesen. Viele Tau­cher vor Ort. Sabang auf Pulau Weh ist übri­gens ein guter Ort, um sich bei der Immi­gra­tion für ein paar Dol­lar weni­ger als sonst das Visum zu ver­län­gern.
Pulau Weh

Alles auf 0: Jeder erin­nert sich noch an die Tsunami-Katastrophe über die Weih­nachts­fei­er­tage 2004. Der Nor­den Suma­tras war mit am Stärks­ten betrof­fen. Allein in der Pro­vinz Aceh star­ben 170 000 Men­schen. In Banda Aceh rund 25 000. Ins Land geschwemmte Schiffe und Tan­ker sind heute Erin­ne­rungs­orte. Das Tsunami-Museum ist etwas in die Jahre gekom­men. Auf Tafeln liest man, dass die Kata­stro­phe die Men­schen näher zusam­men­ge­bracht und dem jahr­zehn­te­lan­gen Krieg zwi­schen Sepa­ra­tis­ten und der Regie­rung um die Aceh-Region ein Ende gesetzt hätte.
Banda Aceh, nach Tsunami 2004

SULA­WESI
Schwein auf den Bunaken in Sulawesi
Visum, die Dritte: Es war Ende Juli und 56 Tage waren seit mei­ner Ankunft auf Bali ver­gan­gen. Heißt auch: Das 30-Tage-Visum lief ein zwei­tes Mal aus. Da aber ohne­hin mein Weg ins 3300 Kilo­me­ter Luft­li­nie ent­fernte Sula­wesi führte, ver­ließ ich Indo­ne­sien für zwei Tage, flog von Banda Aceh nach Kuala Lum­pur und zwei Tage spä­ter von dort über Jakarta nach Manado in Nord­su­la­wesi. Neue 30 Tage.

Insel­fe­e­ling: Buna­ken, Togean Islands und Bira. Nur die ers­ten bei­den sind wirk­lich Inseln, aber Bira ganz im Süden fühlte sich mit tür­ki­sem Was­ser und dem Pal­men­strand auch so an. Alle drei Orte sind aus­ge­zeich­nete Tauch­ge­biete. Auf den Buna­ken (eine Boot­stunde - und mit Glück von Del­fi­nen beglei­tet - vom Fest­land ent­fernt) wohnte ich zwi­schen Hän­ge­bauch­schwei­nen, Hüh­nern und Kokos­nuss­scha­len. Ohne Türe, weil das Res­sort aus­ge­bucht war und ich nur noch einen Raum bekam, der eigent­lich für die Ange­stell­ten war.
Bunaken
Drü­ck­er­fisch, der (trig­ger­fish): Feind des Schnorch­lers, schnappt nach Zehen oder Flos­sen des Meer­be­trach­ters, Exem­plare auf (viel­mehr in) den Buna­ken beson­ders aggres­siv. Schnel­les Weg­kom­men ein­zige Chance auf Entkommen.

Glück im Pech: Zehn Euro also für den Ange­stell­ten­raum auf den Buna­ken inklu­sive Früh­stück, Mittag- und Abend­es­sen. Für die Togean Islands (13 Stun­den mit der Fähre vom nörd­li­chen Fest­land ent­fernt) reser­vierte ich (drin­gend zu emp­feh­len), nahm aber dann doch eine Fähre frü­her und wurde in ein sti­cki­ges Abstell­zim­mer abge­scho­ben. Aber immer­hin wie­der für nur 10 Euro inklu­sive allem – ein Preis, den es so in den drei Unter­künf­ten der Insel nir­gendwo sonst gab. Und in Bira teilte ich schließ­lich ein Zim­mer. Unglück sieht anders aus.

Neue Hori­zonte unter Was­ser: Schnor­chelte ich auf den Buna­ken nur, tauchte ich auf den Toge­ans rich­tig ab. 330 Euro blät­terte ich für das Open-Water-Zertifikat hin. Geld, das Ein­bli­cke in eine Welt erlaubte, die von oben nicht zu erah­nen ist. Ver­rückte Dinge gesche­hen auf die­sem Pla­ne­ten unter Was­ser: Elek­tri­sche Muscheln ver­ste­cken sich in Fels­rit­zen, Schwärme von tau­sen­den Fischen mit schein­bar ein­stu­dier­ter Cho­re­gra­phie kreu­zen dei­nen Weg und dun­kel­gruene Murä­nen schauen einen grim­mig aus ihrem Loch an. Jeder Tauch­gang hält etwas Neues parat – vor allem am Anfang natür­lich. Die prak­ti­sche und theo­re­ti­sche Prü­fung sind trotz manch har­scher Zurecht­wei­sun­gen am Ende geschenkt. Sogar unter­hal­ten darf man sich wäh­rend des Multiple-Choice-Tests.

Mul­ti­mil­lio­när: 150 000 Indo­ne­si­sche Rupiah sind etwa zehn Euro. Gerüchte gin­gen um, dass auf den Toge­ans nur Bar­zah­lung mög­lich ist (mitt­ler­weile geht’s auch mit Kre­dit­karte). Der Tauch­schein würde über 300 Euro kos­ten. Jeder wei­tere Tauch­gang rund 25. Mit über acht Mil­lio­nen Rupiah ver­ließ ich also die Küste. Das Geldscheinbündel-Bild musste natür­lich an die Freunde ver­schickt wer­den. Aber erst nach­dem ich Kadi­diri ver­las­sen hatte. Zwar gibt es direkt unter dem Ter­as­sen­dach am Strand schwa­chen Mobil­funk­emp­fang. Ich aber ließ mein Handy acht Tage lang aus.
Mulitmillionär in Indonesien
Unver­gess­lich: Der feu­rigste Son­nen­un­ter­gangs mei­nes bis­he­ri­gen Lebens – auf den Toge­ans. Was­ser­schild­krö­ten, die sich direkt unter mir beim Schnor­cheln vom Fels lösen – auf den Buna­ken. Die ers­ten Riff­haie und hef­ti­gen Unter­was­ser­strö­mun­gen beim Tau­chen – in Bira. Die Visums­ver­län­ge­rung mit der Fahr­rad­rik­scha – in Makas­sar.
Sonnenuntergang auf Kadidiri - Togean Islands

Nichts für schwa­che Ner­ven: Wer über Sula­wesi spricht, kommt beim Volk der Tor­aja nicht vor­bei. Für Rei­sende beson­ders inter­es­sant: Die Archi­tek­tur der Wohn­häu­ser und die Beer­di­gungs­ri­ten der Ein­hei­mi­schen. Zwi­schen Tod und Begräb­nis kön­nen bei den Tor­aja Jahre lie­gen. Beim dann statt­fin­den­den Fest wer­den Tier­op­fer gebracht. Je höher das Anse­hen des Toten ist, desto mehr Was­ser­büf­fel und Schweine wer­den vor den Augen der oft hun­der­ten gela­de­nen Gäste geop­fert. Die Zere­mo­nien sind das Tou­ris­tener­eig­nis schlecht­hin. Auch ich war dabei. Und war geschockt über die­je­ni­gen Tou­ris­ten, die sich von den Zuschau­er­tri­bü­nen lös­ten, als dem ers­ten Büf­fel die Kehle auf­ge­schlitzt wer­den sollte; ja förm­lich einen Kreis um das Tier bil­de­ten, um die blu­tigs­ten Fotos zu schie­ßen. Man mag von der Pro­ze­dur hal­ten, was man will. Man mag aber auch bitte einen Fun­ken an Anstand in sol­chen Momen­ten zei­gen.
Beerdigungszeremonie auf Sulawesi - Tana Toraja - Rantepao
Totenkult-Figuren Tana Toraja

Lachen: Freund­lich sind sie, die Ein­hei­mi­schen. Grin­sen und lachen, auch wenn die Kom­mu­ni­ka­tion natur­ge­mäß nicht ein­fach ist. Lernt man dann aber doch nach und nach den einen oder ande­ren Satz, ist die Begeis­te­rung umso grö­ßer. Ein „Sama sama” („gern gesche­hen / kein Pro­blem”) lässt nicht nur Mädels am Natio­nal­fei­er­tag in erstaun­tes Krei­schen aus­bre­chen. Aus­pro­bie­ren.
Auf Sulawesi, Rantepao

Auge um Auge: Mit zwei wirk­lich lieb gewon­ne­nen Frank­fur­tern reiste ich meh­rere Tage. Unter ande­rem auch in den Tangkoko-Nationalpark, bekannt für sel­tene Vögel und Säu­ge­tiere – wie etwa dem Kus­kus oder dem Kobold­maki. Und dann war da noch diese gruene Viper, die erst – kaum aus­zu­ma­chen im Blät­ter­wald - nur unser Ran­ger erspähte, ehe auch wir die ver­schie­de­nen Gru­en­to­ene nach und nach von­ein­an­der tren­nen konn­ten. Und ein­ein­halb Meter vor der Schlange geflüs­tert beka­men, jetzt doch lie­ber nicht mehr näher ran zu gehen.

Der Indo­ne­sier, der uns warnte: Ein Indo­ne­sier, der ein paar deut­sche Sätze zum Bes­ten gibt. Das war erstaun­lich. Ein Indo­ne­sier, der uns warnt, dass da auch gleich der chi­cken bus kom­men könnte. Also der Bus, den die Ein­hei­mi­schen nut­zen, in dem geraucht wird, in dem Hüh­ner, Reis und Kis­ten voll mit uner­klär­li­chem Inhalt trans­por­tiert wer­den. Weni­ger erstaun­lich. Ein Indo­ne­sier, den wir an der Bus­hal­te­stelle in Ampana tra­fen und der Recht hatte. Dann doch irgend­wie ernüch­ternd. Unzäh­lige Stopps, ein Rei­fen­wech­sel, meh­rere indo­ne­si­sche Rei­se­ta­blet­ten und 26 Stun­den spä­ter erreichte ich mein Ziel. Gehört eigent­lich auch in die Unvergesslich-Liste.

FLO­RES
Strand von Riung, Flores
Das hatte es in sich: Die Anreise von Sula­wesi nach Maumere. Mit dem Pelni-Boot. Das eigent­lich ein Schiff ist. Eigent­lich hat­ten wir uns das auch anders vor­ge­stellt. Die Geschichte habe ich bereits hier erzählt.

Der Anfang – und Ende: Von Maumere nach Labuan Bajo. Das war der Plan. Mit mir dabei eine Köl­ne­rin und zwei Hol­län­de­rin­nen. Die erste Sta­tio­nen hieß Moni. High­light: Die drei ver­schie­den­far­bi­gen Kelimutu-Vulkanseen, am bes­ten zu erle­ben bei Son­nen­auf­gang. Fazit: Ja, das hatte was! Von dort ging es nach Ende. Ein Ort, von dem es heißt: Über­spring ihn, lohnt sich nicht, nur Durch­gangs­sta­tion für den Bus­wech­sel. Aber ein­fach mal nicht auf Rei­se­füh­rer und andere Mei­nun­gen hören zahlt sich immer wie­der aus. Allein die Rol­ler­fahrt an der Küs­ten­straße war es wert. Nicht zu ver­ges­sen der Strand mit den blauen Stei­nen, die über­all auf der Welt in Stein­gär­ten lie­gen.
Vulkanseen bei Moni - Flores, Kelimutu

Ach, das Essen: Ich behaupte, Flo­res sieht in Rela­tion mit ande­ren indo­ne­si­schen Inseln rela­tiv wenig Tou­ris­ten. Den­noch gibt es so etwas wie eine feste Route, die alle abgra­sen. Das Essen ist dort auf Rei­sende aus­ge­legt. Heißt: Straßenstände- und Küchen gibt es sel­ten. Nur Läden mit Spei­se­karte und Ein­heits­brei. Damit keine Miss­ver­ständ­nisse auf­kom­men. Ich will mich nicht auf­spie­len als voll inte­grier­ter Ken­ner der loka­len Essens-Szene, der, um zu bewei­sen, dass er mit der ein­hei­mi­schen Bevöl­ke­rung ver­schmilzt und es ihr gleich tut; gar west­lich gele­vel­tes Essen ablehnt und stets auf „local food“ und Gar­kü­chen am Stra­ßen­rand besteht. Nein. Aber die über offe­ner Flamme gegrill­ten Spieße, die feurig-scharfen Nudeln oder die zehn bis fünf­zehn Schüs­seln in der Aus­lage, aus denen man sich seine eigene Por­tion zusam­men­stel­len kann – ja – das alles soll jeder mal pro­bie­ren, ehe er zum glei­chen Schluss kom­men wird wie ich: Etwas bes­se­res gibt es doch nicht!

Auf­fäl­lig: Flo­res scheint extrem viele Steine zu benö­ti­gen. Auf den zwei bis vier­stün­di­gen Bus­etap­pen zwi­schen den Orten muss­ten wir immer wie­der län­gere Stopps ein­le­gen, weil schwe­res Gerät rie­sige Bro­cken aus Fel­sen klopfte. Staus auf stau­bi­gen Straße waren All­tag.
Dachritt auf Flores, Stau

Sonst noch was? Ja. Flo­res war­tet mit beein­dru­cken­den Natur auf. Rie­sige Reis­fel­der, grü­ner als grün und abwechs­lungs­reich. Stich­wort: Spinnennetz-Felder bei Ruteng. Oder Inselhop­ping beim Boots­aus­flug in Riung: Wahr­haf­tig scho­ene Strände, Bar­be­cue mit Blick auf die Gebirgs­ket­ten und hun­derte Flug­hunde am Hori­zont. Oder der Besuch der tra­di­tio­nel­len Dör­fer in Bajawa. Die Zim­mer­preise sind dafür rela­tiv hoch. Unter zehn Euro gibt es auf Flo­res kein Dop­pel­zim­mer. Zu zweit rei­sen lohnt(e) sich.
Reisfelder bei Moni, Flores
Spinnennetz-Reisfelder Ruteng -  Flores

Ent­schul­di­gung, ich muss hier durch! Drei Tage und neun Tauch­gänge bil­de­ten den Abschluss auf Flo­res. Das Tauch­ge­biet rund um die Komodo-Inseln ver­spricht viel – und hielt viel. Bei einem Tauch­gang, rund um einen Fel­sen mit­ten im Meer, konnte ich die Fische bei­nahe mit den Hän­den aus mei­nem Blick­feld schie­ben. Alles ist etwas grö­ßer und viel­fäl­ti­ger als auf den Toge­ans. Die Strö­mung ist hier stär­ker, was grö­ßere Fische anlockt und für mehr Action sorgt. Unge­fähr wie in die­sem Video darf man sich das vor­stel­len. Nicht alle Tauch­gänge sind welt­klasse, aber die meis­ten nahe dran. Welch Glück als Anfän­ger mit Sula­wesi und Flo­res gleich in zwei asia­ti­sche Unterwasser-Goldstücke abge­taucht zu sein.

Das nervte dann doch: Das Muezzin-Gebrüll in Labuan Bajo. Nicht in der Nähe einer Moschee unter­zu­kom­men: Nahezu unmög­lich. Hierzu ein Zitat von Andreas Alt­mann: „Laut­spre­cher aus vier Him­mels­rich­tun­gen las­sen uns wie­der ein­mal wis­sen, dass Allah „akbar“ ist. Das Gebrüll, das seit 1400 Jah­ren die Mensch­heit heim­sucht, scheint auf wun­der­li­che Weise kei­nem zu impo­nie­ren. Denn wäre Gott „groß“, dann hätte man es längst bemerkt und nie­mand müsste uns rast­los und ver­zwei­felt laut­stark vons einer Größe überzeugen“.

Amen.

KOMODO UND BALI
Komodowarane- Indonesien
Der Kreis schließt sich: Dort, wo es begann, hörte es auch auf. In Padang Bai. Nach­dem ich auf der drei­tä­gi­gen Boots­fahrt von Flo­res nach Lombok/Bali auch noch die welt­be­kann­ten Komo­do­wa­rane gese­hen hatte und spek­ta­ku­läre tür­kis­far­bene Buch­ten betrach­ten durfte, gab es noch vier Tage Ent­span­nung in Padang Bai. Ein über­ra­schend ange­neh­mer Ort mit 4-Euro-Unterkunft direkt am Hafen.
Padang Bai- Bali- Hindus
Ein Hauch ech­tes Bali: Ein letz­tes Mal ging es mit dem Rol­ler auf Erkun­dungs­tour. Etli­che Tem­pel gibt es rund um Padang Bai. Und viel schö­nere Natur als die Par­ty­hölle Kuta es je erah­nen lässt. Einige Bali­ne­sen gaben uns noch mit auf den Weg: Kuta – das ist für uns nicht Bali. Sie haben Recht. Am 111. Tag in Indo­ne­sien ging es dann doch noch­mal durch Kuta. Auf dem Weg zum Flug­ha­fen. Nächs­tes Ziel: Neu­see­land. Es sollte das nächste High­light werden.

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1 Comment

  • Hi,

    tol­ler Bericht, mal was ande­res! Jetzt fühle ich ich gewapp­net für meine Tauch­reise im Sommer ;)

    LG, Alena

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