Nepal
Februar 15, 2015

Ab in den Hima­laya: Die Annapurna-Runde im Winter

Die Annapurna-Runde im nepa­le­si­schen Hima­laya.

Ein Weg. Rund 200 Kilo­me­ter. Durch ver­schie­dene Kli­ma­zo­nen. In zwei bis drei Wochen. Von 800 auf 5400 Meter. Rund um die 7000 bis 8000 Meter hohen Annapurna-Gipfel.
Profil Annapurna-Runde


Von Pok­hara geht es vier Stun­den mit dem Bus nach Besisa­har - dem Start­punkt für die Runde.


Die ers­ten Tage geht es durch gruene Täler, die selbst im Win­ter tags­über T-Shirt-Temperaturen erreichen.


Über­all: Die Gebets­fah­nen. An Hän­ge­brü­cken befes­tigt oder ent­lang Häu­ser­fas­sa­den gespannt.


Hoch über dem Marsyangi-Fluss führt der Weg kon­ti­nu­ier­lich berg­auf. Immer wie­der kreuzt man das Was­ser über lange und wacke­lige Hän­ge­brü­cken. Seit etli­chen Jah­ren kann man auch mit dem Jeep auf bis zu 3000 Metern fah­ren. Mitt­ler­weile gibt es viele alter­na­tive Wege, so dass man kaum auf der Straße lau­fen muss.


Die Unter­künfte: Meist rus­ti­kal und spar­ta­nisch ein­ge­rich­tet. Ein bis zwei Euro die Nacht. Geld machen die Besit­zer mit den ange­schlos­se­nen Restau­rants. Nachts immer kalt. Offe­nes Feuer oder einen Kamin gibt es ab 2500 bis 3000 Metern Höhe im Aufenthaltsraum.


Nach Tagen der erste Schnee. Dann aber auch rich­tig. Stun­den­lan­ges Schmalspur-Wandern. Sonst droht hüft­ho­hes Einsinken.


Manang auf 3500 Metern Höhe. Ort zum Akkli­ma­ti­sie­ren. Über 3000 Metern sollte man nicht mehr als 500 bis 700 Höhen­me­ter pro Tag zurück­le­gen. Sonst könnte es wei­ter oben Pro­bleme mit der Höhen­an­pas­sung geben.



Blick auf das Annapurna-Gebirgsmassiv. Der schmale Pfad glück­li­cher­weise etwas vor­ge­tre­ten. Traum­hafte Schnee­land­schaft. Gran­diose 7000er-Blicke.


Bis auf 2500 Meter lässt es sich mit Solar­du­schen noch eini­ger­ma­ßen kom­for­ta­bel duschen. Ab 3000 Meter gibt es kein flie­ßen­des Was­ser mehr - Ende Januar sind die Lei­tun­gen gefro­ren. Für einen Euro gibt es einen Eimer hei­ßes Was­ser. Für ein bis zwei Euro kann man Kamera oder Handy laden.


Weni­ger Schnee auf 4000 Metern als am Tag zuvor. Zusam­men mit einem Eng­län­der geht es die letz­ten Tage in Rich­tung High­camp auf 4950 Meter.


Wäh­rend den elf Tagen bis zum Thorong-La-Pass auf 5416 Metern begegne ich mehr Hun­den als Trek­kern. Und selbst die sind an einer Hand abzuzählen.


Tie­fer Schnee und kaum eine Spur. Die Stre­cke pro Tag wird immer kür­zer. Die benö­tigte Zeit bleibt gleich.



Das High Camp. Die letzte Sta­tion vor der Pass­über­que­rung. Ich habe seit sechs Tagen die glei­chen Sachen an. Kla­mot­ten wech­seln erscheint ein­fach auch nicht sinn­voll genug. Geduscht wer­den kann ohne­hin nicht.


Aus­har­ren auf 4950 Meter Höhe. Für drei Tage. Ich bin höhen­krank. Kann nur durch den Mund rich­tig atmen. Der erste Ver­such, die 5000 Meter anzu­grei­fen, wird ver­scho­ben. Der zweite Ver­such am frü­hen Mor­gen um 5 Uhr schei­tert kläg­lich und ich bin froh eini­ger­ma­ßen bei Sin­nen und bei Luft nach einer Stun­den wie­der in mei­nem Schlaf­sack zu sein.


Die Situa­tion ist beschis­sen. Mein Abstieg eigent­lich beschlos­sene Sache. Mein eng­li­scher Mit­strei­ter ist bes­tens an die Höhe gewöhnt und will nun mit einem Guide auf die andere Seite.

Denn alleine scheint das im Win­ter doch zu gefähr­lich. Erst im Okto­ber - also im Som­mer - sind nach einem Wet­ter­um­schwung über 30 Men­schen am Pass gestor­ben. Der Guide (das Hüt­ten­per­so­nal) kos­tet 300 Dol­lar. Win­ter­preis. Tiefer-Schnee-Preis. Aussichtslosigkeits-Preis. Zwei Per­so­nen kos­ten eben­falls 300 Dol­lar. Wir eini­gen uns: Einer trägt mei­nen Ruck­sack. Denn mit Gepäck schaffe ich es defi­ni­tiv nicht. Der andere kommt als mora­li­sche Unter­stüt­zung mit. Auf­bruch am nächs­ten Mor­gen. Doch kein Abstieg mehr.


Die Nepa­le­sen sind eine große Hilfe. Viele Tief­schnee­pas­sa­gen tre­ten sie für uns aus. Nach zwei Stun­den gibt es dann ohne­hin keine Gedan­ken ans Umkeh­ren mehr. Denn die Hälfte ist geschafft.



Etwas ange­schla­gen am höchs­ten Punkt der Annapurna-Runde.


Vier Stun­den geht es steil bergab durch Schnee­fel­der. Noch immer lie­gen hier unter Eis und Schnee viele Ver­misste von der Oktober-Tragödie.


Andere Seite. Andere Gip­fel. Genau so spektakulär.


Yak-Steak als Beloh­nung nach der Passüberquerung.



In der Theo­rie ste­hen nun wei­tere zehn Tage auf dem Pro­gramm. Doch scheint die Sonne am Mor­gen noch, ver­schlech­tert sich das Wet­ter zuneh­mend. Und viele Kilo­me­ter füh­ren über die Jeep­st­ra­ßen, die bereits hier wie­der beginnen.


Außer­dem schmerzt so ziem­lich alles. Mein eng­li­scher Wan­der­freund klagt über Knö­chel­pro­bleme und so beschlies­sen wir am Ende des Tages, am nächs­ten Mor­gen die Reise per Bus fortzusetzen.


Allen Ver­spre­chen zum Trotz, die Annapurna-Runde kom­plett zu lau­fen, geht es auf die zehn­stün­dige Rück­reise nach Pok­hara mit dem Bus.


Es war dann ein­fach doch viel anstren­gen­der als erwartet.

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1 Comment

  • Guten Mor­gen lie­ber Beni,

    Wie geht es dir?

    Auf­grund des schreck­li­chen Ereig­nis­ses musste ich spon­tan an dich den­ken!
    Habe mir dei­nen Auf­stieg am Hima­laya noch­mals ange­se­he­nen - bestimmt wird jetzt dein Herz weh­mü­tig unfa trau­rig sein, beson­ders wegen den Men­schen dort.
    Ja, es ist trau­rig - ver­wahre deine schö­nen und auch anstren­gende Erleb­nisse!
    Ich wün­sche dir eine gute Zeit- und ein „leich­tes ” Herz.
    ..... Es ist ein erneu­ter Ver­such, dir zu schrei­ben!
    Ganz liebe Grüße aus Nas­gen­stadt,
    Petra

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