Reiseberichte
März 31, 2014

Was­ser­spaß bei Gluthitze

Vier­ein­halb Minu­ten stehe ich vor einer roten Ampel an einer Kreu­zung in Chiang Mai. Wenig spä­ter bekomme ich keine Minute nach der Bestel­lung mein Curry vom Stra­ßen­stand ser­viert. Es ist ver­rückt. Es ist Chiang Mai. Es ist Thai­land. Neben mei­nem Plas­tik­ho­cker sta­peln sich die Tel­ler mei­ner Vor­es­ser auf dem Bür­ger­steig. Die Spül­ma­schine besteht aus zwei wäsche­korb­gro­ßen Behäl­tern, gefüllt mit Was­ser. Es ist eines der bes­ten Cur­rys, das ich bis­her geges­sen habe.


Lek­tion zwei im Grund­kurs „Rol­ler­fah­ren in Asien” steht heute an.

Mit Abstri­chen bis­her bestan­den: Koh Chang, Insel-Idyll, Berg- und Tal­fahr­ten, eine Haupt­straße, eine Spur, wenig Verkehr.

Grundkurs-Aufgabe zwei: Chiang Mai, ver­win­kelte Alt­stadt­gas­sen, zwei­spu­rige Innen­stadt­stra­ßen, drei- bis vier­spu­ri­ger High­way, viel Verkehr.

Das Ziel: Der Buatong-Waterfall, ein mit Kalk­stein über­zo­ge­ner Was­ser­fall mit­ten im Dschun­gel, rund 50 Kilo­me­ter nörd­lich von Chiang Mai.

125ccm in schönem Pink
Wie immer ist der Tank gäh­nend leer, als ich meine 125ccm-Maschine vom Ver­leih abhole. Not­dürf­tig habe ich mir am Mor­gen im Inter­net und auf Stadt­plä­nen meine Route zum Ziel­ort zusam­men­ge­stellt. Raus aus dem Stadt­zen­trum hier, rauf auf den High­way dort und schließ­lich abbie­gen, wenn das blaue Schild zu sehen ist. Nur eine Tank­stelle finde ich nicht. Zwei­mal werde ich an andere Zapf­säu­len ver­wie­sen. Roller-Sprit mögen mir die Tank­wär­ter hier nicht ver­kau­fen. Nach­dem ich eine kom­plette Runde um den Außen­be­zirk gefah­ren bin, ret­tet mich - na klar - eine Esso-Tankstelle. Schließ­lich fahre ich auf den High­way 1001. Gut hört sich das an, nach Roadtrip, nach Frei­heit, nach Route 66 - na ja, so oder so ähn­lich eben.

Verkehr in Chiang MaiRollerfahrer - immer vorne mit dabei

Galt in Koh Chang in aller Regel noch das Links­fahr­ge­bot, kann ich mich in Chiang Mai nicht mehr dar­auf ver­las­sen. Staut sich der Ver­kehr, wird mun­ter durch die schma­len Lücken der Auto­ko­lon­nen gedüst. Von links und von rechts. Ein Blick in einen Außen­spie­gel reicht nicht mehr. Zehn Minu­ten schaue ich mir das Schau­spiel an, dann will und muss ich auch mit­ma­chen. Denn das Links­ab­bie­gen bei mehr­spu­ri­gem Links­ver­kehr erschliesst sich für Thailand-Neulinge ohne­hin erst durch „learning by doing”.
Trotz wun­der­sa­men Bli­cken und kopf­schüt­teln­dem Stau­nen über man­che Aktio­nen fühle ich mich in der Blech­la­wine sel­ten unwohl. Die Ein­hei­mi­schen wis­sen, was sie tun, hal­ten stets die Spur, betä­ti­gen ab und zu auch den Blin­ker - und so schwimme ich im Ver­kehrs­chaos ein­fach mit.

Ab in den Norden von Chiang Mai

Je wei­ter das Stadt­zen­trum in die Ferne rückt, desto ruhi­ger wird der Ver­kehr. Aus vier Spu­ren wer­den zwei. Die ein­zige Gefahr geht jetzt eigent­lich nur noch von den Pick-up-Taxis aus. Deren Haupt­auf­gabe ist das Über­ho­len. Die eiserne Regel: Nie ver­su­chen, selbst aus­zu­wei­chen und stumpf die Linie hal­ten. Kurz vor knapp ein­ge­schert sind sie bis­her noch meistens.

Reisfelder
Abgebrannter Wald

Das Land­schafts­bild ändert sich minüt­lich. End­lo­sen grü­nen Reis­fel­dern fol­gen win­zige Dör­fer mit Stra­ßen­stän­den, ehe sich die Zivi­li­sa­tion ver­ab­schie­det und der Wald dich­ter wird. Erfri­schen­den Fahrt­wind gibt es längst nicht mehr. Immer wie­der liegt bei­ßen­der Rauch in der Luft. Unzäh­lige Hektar an Wald sind in Nordthai­land im März abge­brannt. Bis an den Stra­ßen­rand ist stre­cken­weise der ver­kohlte Unter­grund zu sehen.

Die letz­ten Kilo­me­ter vor dem Was­ser­fall sind die ein­sams­ten des Tages. Kaum jemand scheint unter­wegs zu sein. Und wenn, dann sind alle schon vor der Mit­tags­hitze auf­ge­bro­chen. Nach ein­ein­halb Stun­den errei­che ich den Park­platz des Bua­tong Water­fall.
Wasserfall und ich

INFOR­MA­TIO­NEN UND TIPPS

- Die Buatong-Wasserfälle (auch sti­cky water­falls genannt) lie­gen 60 Kilo­me­ter nörd­lich von Chiang Mai im Sri Lanna Natio­nal Park.
 
- Motor­rol­ler zu mie­ten ist um ein Viel­fa­ches bil­li­ger als öffent­li­che Ver­kehrs­mit­tel. Die Straße ist in per­fek­tem Zustand.
 

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2 Comments

  • Mensch Benni, du bist echt eine ver­dammt coole Socke - macht echt Spass dir hier zu fol­gen. Viel Spass und bleib gesund !
    Grüße aus der Hei­mat !
    Tilmann

  • […] nicht ent­zie­hen. Auf Dauer schlägt aber immer wie­der mal der Wasserfall-Overkill durch. Schließ­lich gibt es auch in Asien fal­len­des Was­ser am lau­fen­den Band. Nicht aber bei den 180 Meter hohen Wai­mere Falls. Eigent­lich bin ich wegen des Weges zum […]

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