Reiseberichte
März 27, 2014

Ein­mal Bang­kok oben-unten


Die erste Nie­der­lage erleide ich in Sitz­reihe 37, Num­mer C, keine zehn Minu­ten vor dem Abflug von Frank­furt nach Bang­kok. Direkt­flug in Thai­lands Haupt­stadt. Elf Stun­den lie­gen vor mir - und gefühlte 30 Zen­ti­me­ter Über­le­bens­raum für meine flug­tech­nisch zu groß gera­te­nen Beine. Con­dor sei Dank. Dann kommt er doch noch, mein Sitz­nach­bar. Der längst hätte da sein müs­sen, schließ­lich soll­ten die hin­te­ren Rei­hen zuerst ein­stei­gen. Unglück­li­cher­weise hat der Kol­lege auch nicht gerade asia­ti­sche Aus­maße, zudem hat er sich stil­echt mit einem Erinnerungs-T-Shirt aus Pat­taya eingekleidet.

Ich wehre mich gegen tief ver­an­kerte Kli­schees, kämpfe dage­gen an, ver­liere den Kampf, ver­su­che es erneut und will ihm dann doch eine Chance geben. Doch viel ist nicht her­aus­zu­krie­gen: Mitte 50, aus Tirol, schon oft da gewe­sen und irgend­wie hat er irgend­was mit einem Kreuz­fahrt­schiff zu tun. Doch die Sprach­bar­riere ist schließ­lich doch zu groß, der gute Kerl ist vor lau­ter Nuscheln kaum zu ver­ste­hen. Ich stelle mich gedank­lich schon mal auf die Kon­ver­sa­tion mit eng­lisch spre­chen­den Thais ein.

Der Flug ist nicht der Rede wert. Bis auf die drei­ßig Minu­ten Tur­bu­len­zen, die mich aber auch nicht in den Schlaf wackeln. Elf Stun­den Lebens­zeit gehen auch irgend­wie vor­über. Wir lan­den pünkt­lich in Bang­kok. Von nun an gilt: Quan­ti­tät statt Qua­li­tät. Ich folge den Men­schen­mas­sen Rich­tung Aus­gang, ver­lasse mich nicht auf meine eige­nen Ori­en­tie­rungs­künste. Ich treffe Jani, auch Back­pa­cker aus Deutsch­land, wir lächeln uns durch die Pass­kon­trolle und wun­dern uns, warum das Visum doch nichts kos­tet. Mit dem „Sky­train” geht es Rich­tung Innen­stadt. Kli­ma­ti­siert. Wir tref­fen auf - Über­ra­schung - wei­tere deut­sche Back­pa­cker, die auch zufäl­lig an der glei­chen Sta­tion rausmüssen.

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Ich bin froh, dass ich die ande­ren Deut­schen getrof­fen habe. Nicht immer mit Deut­schen rum­hän­gen, habe ich mir vor der Reise vor­ge­nom­men. Mein maro­des Eng­lisch soll es mir schließ­lich dan­ken. Doch im Moment wäre ich allein ziem­lich auf­ge­schmis­sen. Außer­dem wollte ich nicht gleich Rich­tung „Kha­osan Road” gehen, dem berühmt berüch­tig­ten Party-Backpacker-Viertel Bang­koks, von dem man so schaurig-schöné Geschich­ten liest. Geh da nicht hin, es gibt schö­nere Ecken, haben Freunde gesagt. Fünf Stun­den nach Ankunft esse ich in der „Kha­osan Road” Ananas.

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Die Hitze macht mir doch mehr zu schaf­fen, als ich gedacht habe. Im Mai und Juni will ich nach Laos und Kam­bo­dscha. Da ist es dann noch hei­ßer. Ich bin jetzt schon am Bro­deln. Als deut­sche Gruppe zie­hen wir die ers­ten zwei Tage durch Bang­koks Stra­ßen­la­by­rinth. „Wee­kend mar­ket” hier, „Chi­na­town” da, Pro­test­camp im Lumphini-Park dort. Alles nicht so schlimm, erklärt uns ein Ein­hei­mi­scher, als wir nach den Bom­ben­an­schlä­gen fra­gen. Alles in allem ist alles fried­lich, meint er und freut sich, Deut­sche zu sehen. Er schwärmt von der Fußball-WM 2006 in „Ger­many”, war selbst da, kennt Frank­furt, Mün­chen und Stutt­gart und hat genau zwei Lieb­lings­mann­schaf­ten: Thai­land und Deutschland.

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Tag drei endet auf fast 250 Metern und einem Bier für zehn Euro. Mit Jani stehe ich auf der „Sky Bar” des „State Towers” und staune. Staune über den halb­ga­ren Son­nen­un­ter­gang in der smog­ver­han­ge­nen Metro­pole, staune über die vie­len fun­keln­den Lich­ter weit unter mir und staune, dass hier das Champagner-Glas 70 Euro kos­tet. Ange­kom­men fühle ich mich noch nicht. Aber hoch­ge­kom­men sind wir. Denn ohne lange Hose, geschlos­sene Schuhe und ange­mes­se­nem Obenrum-Outfit gibt es keine Lift­fahrt in den 64. Stock. Zwei­tout­fit mit­neh­men und Umzie­hen im Kauf­haus gegen­über ist da Gold wert. Kli­ma­ti­siert übri­gens. Hat man es geschafft, wei­sen einem dann schick geklei­dete Beglei­te­rin­nen den Weg Rich­tung Aus­sichts­ter­rasse - ohne dabei zu ver­ges­sen, auf jede Trep­pen­stufe mit einer char­man­ten Hand­geste auf­merk­sam zu machen. Vor lau­ter Gucken und Danke-Sagen komme ich fast ins Stolpern.

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Bang­kok in drei Tagen ist anstren­gend. Zu kurz, natür­lich. Aber für mich auch erst­mal genug. Tem­pel oder Museen haben mich bis­her nicht von innen gese­hen. Ich werde wie­der kom­men. Schon in einer Woche. Nächs­tes Ziel: Koh Chang. Eine kleine Insel an der kam­bo­dscha­ni­schen Grenze. Ein Freund von Lea hat mir ein vir­tu­el­les Emp­feh­lungs­schrei­ben samt Bungalow-Anlage am Berg­hang gege­ben. Für eine Woche habe ich erst­mal wie­der so etwas wie einen Plan.

Video Koh Chang

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