Myanmar
Februar 5, 2015

Kreuz und Quer - Geschich­ten vom Rei­sen (1)

THAI­LAND

Früh am Mor­gen in Chiang Mai, Nordthai­land. Aus irgend­ei­nem Grund war ich bereits kurz nach Son­nen­auf­gang auf der Haupt­straße unter­wegs, wel­che den Stadt­kern in einem Qua­drat umschließt. Das Mor­gen­licht leuch­tete, die Luft noch unver­braucht und ange­nehm kühl, die Stra­ßen kaum befah­ren. Selbst die rat­tern­den Tuk-Tuks stan­den noch fast aus­nahms­los still in den Sei­ten­gas­sen. Die mobi­len Stra­ßen­kü­chen nicht in Sicht.

Erst ein, zwei Stun­den vor Son­nen­un­ter­gang wür­den sie wie­der anrol­len und ihre damp­fen­den Spe­zia­li­tä­ten in Minu­ten­schnelle an den Kun­den brin­gen. Die Sicht war kla­rer, die Atmo­sphäre ent­spann­ter, die Welt in die­sem Moment unkom­pli­zier­ter als sonst. Und ich fragte mich, warum ich eigent­lich so oft genau diese Zeit des Tages verschlafe?

MYAN­MAR

Die wich­tigste Errun­gen­schaft von Tachi­lek ist eine Brü­cke. Hier spielt das Leben. Unter ihr, links und rechts von ihr, auch kurz vor ihr. Die Brü­cke stellt die Grenze zwi­schen Thai­land und Myan­mar dar.
Wer den Stem­pel der Grenz­be­am­ten im Pass hat, lan­det keine Minute spä­ter in den Fän­gen der Stra­ßen­händ­ler. Die ver­stan­den es damals nicht, dass ich, der da gerade ankam, Nich­rau­cher war und auch kein Bedarf an Via­gra hatte. Dafür aber eine Unter­kunft und Bar­geld benö­tigte. Hier gab es kei­nen Stadt­plan, kei­nen Rei­se­füh­rer, gar eine Info­ta­fel. Nur meine Über­for­de­rung und lächelnde, eben­falls über­for­derte Frauen in einer Art Rei­se­büro, die mich die Straße run­ter schick­ten. Dort wurde gerade ein Markt abge­baut, abge­nutzt und ver­wüs­tet sahen zumin­dest Stände und Straße aus. An deren Ende fand ich tat­säch­lich ein Hotel. Alter­na­tiv­los da ahnungs­los.

Doch wie an Geld kom­men? Die Bank hatte geschlos­sen. Schließ­lich war es bereits schon nach drei Uhr. Da arbei­tet hier kei­ner mehr. Einer der Hotel­an­ge­stell­ten sprach ein paar Bro­cken eng­lisch und schlug vor, „unter der Brü­cke tau­schen zu gehen“. Irgend­wie fand ich das nicht gut, lehnte eigent­lich ab, war nach einer kur­zen Moped­tour mit ihm durch enge Gas­sen aber doch mit­ten­drin im mobi­len Wech­sel­büro. Zwi­schen Plastik-Krims-Krams und Asia-Kitsch. Aus irgend­wel­chen Grün­den lehnte der Meis­ter über die Scheine aber ab, nach­dem der Ange­stellte mein Anlie­gen schilderte.

Zurück im Hotel blieb die Situa­tion rät­sel­haft. Eigent­lich wollte ich gleich mor­gen den Bus nach Keng­tung neh­men. Ins Lan­des­in­nere. Ohne ein­hei­mi­sches Geld aber kein Bus, der heute noch bezahlt wer­den musste. Auch der Rest des Per­so­nals hüllte sich nun in Schwei­gen. Mehr aus Unsi­cher­heit denn aus bösem Wil­len. Ich lief noch­mal los, dahin, wo ich her­kam, als ich die Grenze über­schritt. Eigent­lich um was Ess­ba­res zu fin­den.
Und da fand ich ihn, in einer Ecke, aber unüber­seh­bar. Ein Geld­au­to­mat. Vor der mit einer Git­ter­ja­lou­sie ver­schlos­se­nen Bank. Im Tru­bel der Stra­ßen­händ­ler, der neuen Situa­tion, der tau­send Gedan­ken, in denen sich kein ein­zi­ger kla­rer Gedanke fas­sen lässt, hatte ich ihn ein­fach übersehen.

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