Malaysia
Februar 14, 2015

Kreuz und Quer - Geschich­ten vom Rei­sen (3)

MYAN­MAR

In Hsi­paw, in den Ber­gen von Myan­mar. Im Nord­os­ten des Lan­des. Wir sind eine dut­zend Per­so­nen große Gruppe. Alle hat­ten die glei­che irr­wit­zige Ruckel­fahrt mit dem Zug hin­ter sich, alle fan­den sich man­gels gro­ßer Alter­na­ti­ven im glei­chen Hos­tel des klei­nen Ortes wieder.

In gro­ßen Grup­pen gibt es immer jeman­den, der gerne Bier trinkt. Zu jeder Zeit wohl­ge­merkt. Und so fan­den wir uns, es kann nicht spä­ter als drei Uhr am Nach­mit­tag gewe­sen sein, einen Tag spä­ter bei Mis­ter Food wie­der. Mis­ter Food hatte zwar auch Essen, trotz­dem stand der Bier­kon­sum im Vor­der­grund. Den es gab gezapf­tes Bier vom Hahn, nicht selbst­ver­ständ­lich in Myan­mar. Wir steck­ten uns gegen­sei­tig an und so trank schließ­lich auch der Aller­letzte noch mit. Stun­den spä­ter sta­pel­ten sich die Glä­ser auf dem Neben­tisch. Vor uns war längst kein Platz mehr dafür.

Nüch­tern im Nach­hin­ein betrach­tet waren wir nun wirk­lich keine guten Bot­schaf­ter für Tou­ris­ten an die­sem Tag. Zwar wie­sen wir uns immer wie­der gegen­sei­tig zurecht, etwas stil­ler zu sein, aber wie das eben so ist unter ange­trun­ke­nen Spaß­ge­sell­schaf­ten: Lange ging das nie gut.
Der Gang zur Toi­lette, eine stin­kende Über­schwem­mung im Hin­ter­hof gegen­über der Küche, wurde für jeden zur Her­aus­for­de­rung. Als die unter dem Tisch ver­staute Rum­fla­sche von Terri, einer Ame­ri­ka­ne­rin, schließ­lich zu Bruch ging, sorgte das für mehr Erhei­te­rung als Bedau­ern bei uns. Wuss­ten wir doch, dass es im nächs­ten Ver­schlag die 0,75-Liter-Flasche für nicht­mal zwei Euro gab. Und das war nicht der schlechte Rum.

Auf dem Nach­hau­se­weg fan­den wir dann einen leer­ste­hen­den Roh­bau, oder viel­leicht auch eine Bau­ruine, die natür­lich erkun­det wer­den musste. Mit­ten­drin stand sogar ein Tem­pel, gold­glän­zend im Nacht­licht, der aber nur kurz unser Inter­esse fand. Wir fan­den her­um­ste­hende Besen, mit denen wir began­nen, den stau­bi­gen Boden zu fegen. Wirk­lich sinn­frei, aber unter Ein­fluss von Rum gar nicht mal so unlus­tig. Im Hos­tel ging das Besäuf­nis wei­ter. Mit wei­te­ren Rum­fla­schen für 1,50 Euro. In die­ser Nacht lauschte ich vie­len Geschich­ten über Malay­sia. Keine Woche spä­ter sollte ich mein Ticket nach Kuala Lum­pur buchen.

Wir aber waren am nächs­ten Mor­gen irgend­wie alle froh, als es laut auf das Vor­dach des Hos­tels pras­selte. Die geplan­ten Wan­de­run­gen in das Umland fie­len dem Regen zum Opfer. Mis­ter Food hatte uns wirk­lich alle geschafft.

MALAY­SIA

Acht Stun­den mit dem Nacht­bus aus Kuala Lum­pur und eine Stunde mit dem Schnell­boot lagen hin­ter mir. Die Begrü­ßung der Perhen­tian Islands hätte man sich aber nicht schlech­ter vor­stel­len kön­nen. Die Sonne brannte bereits um acht Uhr mor­gens auf den Strand, ich sehnte mich nach rich­ti­gem Schlaf, aber noch war ein Bett nicht in Sicht. Eine Unter­kunft nach der ande­ren war aus­ge­bucht. Reser­viert hatte ich nicht. Ich traf auf Lars aus Ber­lin, der das glei­che Schick­sal teilte.

Der Strand, eigent­lich nur 500 Meter lang, wurde mit jeder Minute län­ger. Der Sand immer tie­fer. Schließ­lich einig­ten wir uns auf Arbeits­tei­lung. Der eine bewachte die Ruck­sä­cke, der andere fragte wei­ter. Auch bei den höher gele­ge­nen Bun­ga­lows. Ich traf auf einen ergrau­ten Mann samt Anhang, einem deut­lich jün­ge­ren blon­den Mädel. Beide lagen auf einer Bam­busprit­sche, zuge­dröhnt mit Dro­gen von oben bis unten. Nicht nicht zu bemer­ken. Immer wie­der ermahn­ten sie mich, doch bitte lei­ser zu reden. Die Ant­wort auf die Frage nach einem Bett stand jen­seits ihrer Gedankenwelt.

Schließ­lich blieb ein ran­zi­ger Raum mit meh­re­ren Dop­pel­bet­ten, in dem die Luft bereits jetzt stand. Trotz­dem schlie­fen hier bereits einige Back­pa­cker, die wohl in den ver­gan­ge­nen Tagen auch nichts bes­se­res gefun­den hat­ten. Lars und ich gesell­ten uns also auch in die Hit­ze­hölle. Die Kli­ma­an­lage lief nicht mehr, Strom auf der Insel gab es eh erst wie­der ab 17 Uhr. Aber auch in der Nacht sollte die Kli­ma­an­lage mehr Lärm erzeu­gen als denn für eine kühle Brise zu sorgen.

Lars war ein Uni­kat. Ber­li­ner Schnauze, nur noch mit einer Jeans unter­wegs, und die war abge­wetzt und mit Löchern ver­se­hen. Geld fürs Rei­sen ver­diente er sich online durch das Opti­mie­ren von Such­ma­schi­nen. So oder so ähn­lich zumin­dest. Wie er mit den paar hun­dert Euro durch die Welt tin­gelte, habe ich im End­ef­fekt nie ganz ver­stan­den. In Spa­nien schlief er schon an Bahn­hö­fen ohne einen Euro in der Tasche, in Laos ver­stand er sich mit den Besit­zern sei­ner Hos­tels so gut, dass er meis­tens nichts zah­len musste. Auch war er vier Wochen alleine in den Rocky Moun­tains unter­wegs. Nur mit Hän­ge­mätte und dem Nötigs­ten. Sein Plan war zum Som­mer zurück in Deutsch­land zu sein, die Welt­meis­ter­schaft zu gucken und dann wie­der abzu­hauen.

Der Strand­ab­schnitt von Perhen­tian Kecil gefiel uns nicht wirk­lich. Die Restau­rants waren aus­tausch­bar, mit­tel­mä­ßig und von bun­ten Plas­tik­stüh­len umringt. Abends jagte eine Feu­er­show die andere. Möchtegern-DJ’s beschall­ten in ohren­be­täu­ben­der Laut­stärke ein­zelne Abschnitte, in denen sie ihre ein­zi­gen Gäste waren. Pseu­do­haf­ter ging es nicht, war meine Mei­nung. Und in Lars fand ich einen Für­spre­cher. Von nun an gin­gen wir einen Bogen darum, oder nun ja, saßen nicht mit­ten­drin, son­dern abseits des Gesche­hens und unter­hiel­ten uns eben über diese Pseudo-Unterhaltung.

Die High­lights waren Wan­de­run­gen auf die andere Seite der Insel. Ein­mal unter­schätz­ten wir die Aus­maße und kamen erst im Dunk­len in einem Dorf an. Erst ein Fischer fuhr uns zu einem hart aus­ge­han­del­ten Preis zurück in die hei­mi­sche Bucht. In einem Holz­boot, das für mein Befin­den ein­deu­tig einen zu tie­fen See­gang hatte. Nass, aber von der wel­li­gen Fahrt hell­wach, erreich­ten wir unser Bun­ga­low am Hang, in das wir mitt­ler­weile umge­zo­gen waren.

Ein ande­res Mal umrun­de­ten wir die Insel gegen den Uhr­zei­ger­sinn. Lie­fen stun­den­lang auf Fel­sen am Mee­res­ufer ent­lang, muss­ten sogar ein paar Meter schwim­mend über­win­den, bis es gar nicht mehr wei­ter ging. Lars schlitzte sich die Sohle an einer Koralle auf und ich war irgend­wie auch froh, dass das das unum­kehr­bare Ende unse­rer Bemü­hun­gen bedeu­dete. Wie­der hat­ten wir Glück. Ein Schnorchel-Ausflugsboot gabelte uns auf. Und wir wie­derum gabel­ten, es war tat­säch­lich so, eine spin­del­dürre Asia­tin auf, die in vol­ler Schwimm­mon­tur die Küste ent­lang kraulte. Jetzt aber anschei­nend doch sehr froh war, den Rest des Weges fah­rend zurückzulegen.

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