Reiseberichte
April 11, 2014

Mae Hong Son Loop - Von Nicht-Sicht, Abzo­cke und Zwei­fel (3)

Teil 1 und Teil 2: Was bis­her geschah

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Ein Kran­ken­haus, zwei Tank­stel­len, ein 7/11 und ein Abend­markt. Viel mehr gibt es nicht in Mae Chaem. Zu erschöpft, um lange nach einer Unter­kunft zu suchen, gönne ich mir ein 8-Euro-Zimmer in einem Hotel in Fluss­nähe. Ich erschlage eine Spinne unter der Dusche und mache mich auf, um Schmack­haf­te­res in der Stadt zu fin­den. Außer mir scheint sich heute kein Aus­län­der an die­ses Fleck­chen Erde ver­irrt zu haben. Zwei Markt­frauen an den Obst­stän­den begrü­ßen mich schon von wei­tem. Ich fühle mich als Attrak­tion der Stadt.

Keine zwei Stun­den spä­ter wirkt Mae Chaem wie aus­ge­stor­ben. Aus rei­ner Neu­gier drehe ich noch eine Runde im Dun­keln durch die Gas­sen, viel Erhel­len­des gibt es aber nicht mehr zu sehen. Früh gehe ich ins Bett.

Wenn aus unten oben wird

Gerä­dert wache ich am nächs­ten Mor­gen auf. Ich ver­spüre keine groß­ar­tige Lust, mich auf den Rol­ler zu set­zen. Ein veri­ta­bles Früh­stück ist auch nicht zu fin­den und so ent­scheide ich mich schließ­lich für eine Suppe mit Eier­nu­deln. Die stillt immer­hin kurz­zei­tig mei­nen Hun­ger, rich­tig fit fühle ich mich immer noch nicht. Ich beschließe auf kür­zes­tem Weg nach Chiang Mai zu fah­ren und kei­nen Abste­cher zum Doi Intha­non zu machen. Auf den höchs­ten Berg Thai­lands mit 2565 Metern hatte ich mich zwar schon seit Beginn des Loops gefreut, doch beim Gedan­ken an zusätz­li­che 25 Kilo­me­ter kur­vige Pass­stra­ßen hin­auf zum Gip­fel bre­che ich momen­tan nicht in Jubel­stürme aus. Zudem rede ich mir ein, dass die Sicht von dort oben auf­grund des gan­zen Rau­ches ohne­hin nicht gut sein kann. Gewusst wie. Doi Intha­non - abge­hakt. Ein ande­res Mal vielleicht.

Nach der Hälfte der 120 Schlussspurt-Kilometern kehre ich am Vatchirathan-Wasserfall ein. Die Fahrt durch die küh­len Pas­sa­gen am Fuße des Doi Intha­non haben mir gut getan. Und Sight­see­ing kann schließ­lich nie scha­den. Was­ser­fälle in Thai­land haben es mir wirk­lich ange­tan. Hast du einen gese­hen, hast du alle gese­hen, mag der Skep­ti­ker sagen. Aber nicht, wenn es um thai­län­di­sche Was­ser­fälle geht.  Ohne Ein­tritts­ge­büh­ren zu zah­len, kühle ich mich in der Gischt des Was­sers ab und posiere für ein paar Fotos.

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Die Sache endet abrupt, als mir mein Kör­per erste Signale hin­sicht­lich eines doch bald zu emp­feh­len­den Klo­gangs sen­det. Ein stil­les Ört­chen gibt es tat­säch­lich gleich in Park­platz­nähe, aber kein Klo­pa­pier. Alle sechs Toi­let­ten sind nur mit Was­ser­ei­mern und klei­nen Schöpf­kel­len als Spü­lung aus­ge­stat­tet. Thai­land eben. Ich wün­sche mir glatt diese amü­san­ten Toilettenbrausen-für-Hintenrum aus Bang­kok zurück, doch selbst die gibt es hier nicht. Mein Blick wan­dert von mei­ner lin­ken Hand­flä­che hin­über zum Was­ser­ei­mer und dann zur Schöpf­kelle. Aber ich kann mich nicht durch­rin­gen. Für das hier hätte ich wirk­lich Klo­pa­pier gebraucht. Wollte ich nicht immer eine Rolle dabei haben?

Was nicht geht, geht eben nicht und so sitze ich in der Folge etwas gequält auf dem Rol­ler. Die Baum­rei­hen rechts und links von mir lich­ten sich, als ich auf die Auto­bahn in Rich­tung Chiang Mai auf­fahre. Neben den gan­zen Abga­sen und Dreck­schleu­dern auf der Kriech­spur mel­det sich nun aber auch noch mein Magen vom Vor­mit­tag wie­der zu Wort. Mehr­fach muss ich an den Sei­ten­strei­fen fah­ren, kippe mir Was­ser ins Gesicht und fahre dann wie­der drei, vier Kilo­me­ter wei­ter. Zwan­zig Kilo­me­ter vor Chiang Mai geht es dann nicht mehr. Ich biege hek­tisch in eine kleine Sei­ten­straße ab, stelle mei­nen Rol­ler ab und suche den Weg durch die Hecke. Was die ganze Zeit unten raus wollte, kommt nun oben raus. Komplett.

Immer­hin ein Pro­blem weni­ger. Auf’s Klo muss ich näm­lich nicht mehr.

Die Erleich­te­rung dient mei­ner Kon­sti­tu­tion doch spür­bar. Die letzte halbe Stunde nach Chiang Mai ist zwar nicht schön, aber erträg­lich. Am frü­hen Nach­mit­tag ist es geschafft. Nach 623 Kilo­me­tern in vier Tagen errei­che ich wie­der mein Hos­tel. Dort war­tet auf dem Sofa ein Back­pa­cker, der eigent­lich einen Tag nach mir auf den Loop gehen wollte. Ein­ge­packt mit Kom­pres­sen und Pflas­tern sitzt er da. Sturz am ers­ten Tag auf dem kur­vi­gen Weg nach Pai. Lie­ber Sei­ten­strei­fen als Kran­ken­haus, denke ich mir.

Alles rich­tig gemacht also.

 
INFOR­MA­TIO­NEN UND TIPPS

Ich bin den Mae Hong Son Loop gegen den Uhr­zei­ger­sinn gefah­ren. Viele star­ten aber auch zuerst gen Süden und über­nach­ten somit in Pai am letz­ten Abend. In weni­ger als vier Tagen würde ich den Loop nicht fah­ren. Län­ger geht natür­lich immer. Rund um den Kurs gibt es genug zu sehen und zu machen.
 
MIT WAS ?
 
Als Ori­en­tie­rung und Vor­be­rei­tung sollte man sich die „Guide Map” von GT-Rider zum Mae Hong Son Loop kau­fen. Die bie­tet eine Gesamt­über­sicht mit allen mög­li­chen Rou­ten, Städ­ten und Sehens­wür­dig­kei­ten an der Stre­cke. Von den emp­feh­lens­wer­tes­ten Städ­ten zum Über­nach­ten gibt es zudem detail­lierte Kar­ten­aus­schnitte mit Stand­or­ten von Restau­rants, Hostels/Hotels oder Tank­stel­len. Für etwa sechs Euro in jedem Buch­la­den in Chiang Mai zu haben.

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WANN ?
 
Sicher­lich ist Ende März/ Anfang April nicht der beste Zeit­punkt für den Loop. Aus beschrie­be­nen Grün­den. Von der schlech­ten Sicht sollte man sich aber nicht die Laune ver­der­ben las­sen. Es lohnt sich trotz­dem.
 
WIE TEUER ?
 
Mein 125ccm-Roller habe ich bei Mr. Mecha­nic in der Alt­stadt von Chiang Mai gemie­tet. Mit Ver­si­che­rung kos­tete ein Tag 300 Baht (ca. 7 Euro).

250ccc-Maschinen mit manu­el­ler Gang­schal­tung gibt es ab 800 Baht (ca. 18 Euro) pro Tag.
 

Eine Tank­fül­lung bei mei­nem Automatik-Roller reichte ohne Pro­bleme für 140 Kilo­me­ter. Im Not­fall sicher auch noch für zwan­zig Kilo­me­ter mehr.

Etwa vier Liter pas­sen in den Tank (1 Liter = 38 - 50 Baht). Aber lie­ber ein­mal zu früh tan­ken als zu spät. Zwi­schen den grö­ße­ren Städ­ten habe ich keine Tank­stel­len gesehen.

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