Neuseeland
Oktober 26, 2014

Mein Neu­see­land (11 - 14)

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Dun­edin ist mir auf Anhieb sym­pa­thisch. Die Ein­fahrt vom Nor­den in die Stadt ist hero­isch. Wie ein Amphi­thea­ter prä­sen­tiert sie sich, als ich in den Kern hin­un­ter­fahre. Links das Meer, rechts die Bühne. Die Sym­pa­thie sinkt, als die Park­platz­su­che beginnt. Der Gesamt­ein­druck einer Stadt ist doch so abhän­gig davon, wie der Besu­cher ihr zum ers­ten Mal in die Augen blickt. Reg­net es, pur­zeln die Bonus­punkte. Gibt es weit und breit kei­nen kos­ten­freien Park­platz - auch. Sonn­tags darf stadt­weit umsonst geparkt wer­den. Es ist Mitt­woch. Ich finde einen Park­platz: Fünf Dol­lar für sechs Stun­den. Stelle fest, dass ein Liter Milch im Cam­per­van aus­ge­lau­fen ist. Beginne mit Erste-Hilfe-Maßnahmen. Zur Feier des Tages gönne ich mir Fish & Chips. Für sechs Dol­lar. Ein neu­see­län­di­sches Schnäpp­chen. Die Mayo ist ran­zig. Die ers­ten sie­ben Tage hatte ich immer selbst gekocht.

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Mir war wich­tig, dass ich wäh­rend mei­ner Fahrt durch Neu­see­land meine eigene Musik hören kann. So hat mein Space­ship ein Kabel, dass ich in mei­nen I-Pod stöp­seln kann, und sie läuft, die Musik. Manch­mal ohren­be­täu­bend laut, manch­mal leise, dann wie­der gar nicht. So wech­selt der Klang mit der Stim­mung im Auto. Fahre ich in Deutsch­land schon gerne Auto, erreicht die Kur­ve­rei hier sei­nen Höhe­punkt. Ich errei­che die Cat­lins, das Gebiet im Süd­os­ten der Süd­in­sel. Die Stra­ßen win­den sich pan­ora­ma­häpp­chen­ge­recht ent­lang der zer­klüf­te­ten Küste, ehe es land­ein­wärts in Rich­tung Regen­wald geht. Ich parke, laufe eine Stunde durch mossig-feuchten Wald und fahre wei­ter. Satte grüné Hügel zie­hen am Fens­ter vor­bei (so hatte ich mir doch Neu­see­land vor­ge­stellt), Schafe recken die Köpfe nach oben, Schilf und prächtig-gelbe Sträu­cher tau­chen nach der nächs­ten Kurve auf. Ich fahre kaum 70 km/h, gucke immer wie­der nach links und rechts. Nur alle zehn bis fünf­zehn Minu­ten kommt ein Auto ent­ge­gen. Gefah­ren­lo­ses Panorama-Fahren. Ich biege auf den Küs­ten­strei­fen ein. Die Sonne blin­zelt, lässt die Land­schaft vom gerade enden­den Regen­schauer glän­zen. Links pral­len die Wel­len ans Ufer. Rechts zieht ein Hang gras­grün bewach­sen empor, optisch dem Pri­vat­golf­platz von Tiger Woods glei­chend. Groß­ar­tig kit­schig. Genau so ist es aber. Märchenhaft.

Rei­sen ist wie Geschenke ein­sam­meln, schreibt Andreas Alt­mann in sei­nem neu­es­ten Buch. „Wer Glück hat, geht jeden Tag – über­häuft damit – schla­fen.“ Ich wurde heute reich­lich beschenkt.

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Es tropft. Auf den Bei­fah­rer­sitz und mein rech­tes Knie. Alle zehn Sekun­den ein­mal. Ich bin auf dem Weg nach Te Anau. Der Him­mel meint es nicht gut heute und hat seine Schleu­sen geöff­net. Und Krissy hält nicht dicht. 400 000 Kilo­me­ter haben Spu­ren hin­ter­las­sen. Oder muss ich es ganz anders sehen? Schließ­lich ist der Süden der Süd­in­sel nur des­halb so dicht bewach­sen und immer­grün, voll von spek­ta­ku­lä­ren Was­ser­fäl­len, Fjor­den und Seen, weil es eben reg­net. Laut Sta­tis­tik rund 200 Tage im Jahr. Eine herz­li­che Begrü­ßung also. Ich bin es, das Fjord­land! Um einen auto­mo­bi­len Fjord zu ver­hin­dern, instal­liere ich ein Tropfen-Auffangbecken aus Zei­tungs­pa­pier und Infoflyern.

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Der Abend dient, wie meis­tens, der Pla­nung des Fol­ge­ta­ges. Ob das Vor­ha­ben wirk­lich umsetz­bar ist, ent­schei­det sich dann, wie meis­tens, am Mor­gen. Denn Wet­ter­be­richte sind das Eine, die Rea­li­tät das Andere. Im Fjord­land gibt es kaum eine Vor­her­sage ohne das Wort Regen. Eine defen­sive Tak­tik, um die Tou­ris­ten nicht zu ent­täu­schen? Das Depart­ment of Con­ver­sa­tion (DOC) bestimmt in der Regel in Neu­see­land, wo gecampt, gelau­fen, gepin­kelt und geparkt wer­den darf. Das fühlt sich manch­mal etwas ein­schrän­kend an, gutes Kar­ten­ma­te­rial und Wan­der­be­schrei­bun­gen haben sie aber. Direkt vor Ort zu kau­fen, für wenige Dol­lar, oder auf der Inter­net­seite run­ter­zu­la­den – kos­ten­los. Das sagen sie einem auch ganz brav, wenn danach gefragt. Müs­sen sie. Ser­vice am Kun­den. Ehr­lich­keit wird groß­ge­schrie­ben. Auch wenn die Augen dabei ver­dreht wer­den.

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