Neuseeland
November 9, 2014

Mein Neu­see­land (28 - 30)

28

Am Abend spiele ich mit dem Gedan­ken, noch­mal zurück nach Queens­town zu fah­ren. Mir noch­mal drei Sprünge in den Can­yon zu gön­nen. Zu krib­belnd das Gefühl im Bauch beim Gedan­ken daran. Die Wet­ter­vor­her­sage ist schlecht. Gesprun­gen wird aber immer. Der Wind pfeift über den 6-Dollar-Campingplatz (nur Toi­let­ten und Was­ser). Acht Uhr mor­gens. Snooze. Noch­mal eine halbe Stunde. Früh­stück. Drei Schei­ben Honey Bread mit Erd­beer­mar­me­lade. Ges­tern gekauft. Ande­res gab’s nicht mehr. Sehr gesun­der Geschmack. Das nächste Mal lie­ber Honig auf dem Brot statt im Brot. Rich­tig wach fällt die Ent­schei­dung gegen Queens­town. Die Erin­ne­run­gen sol­len so blei­ben, wie sie sind. Ein vier­ter, fünf­ter oder sechs­ter Sprung ändert nichts. Nur die Por­to­kasse. Ab an die West­küste. Über den Haast-Pass. Keine 15 Minu­ten und Regen setzt ein. Am Schei­tel­punkt stoppt der Ver­kehr. Eine Frau, ein­ge­packt in eine dicke trop­fende oran­gene Regen­ja­cke, läuft Auto für Auto ab und lässt ver­lau­ten, dass die Straße für die nächs­ten 20 Minu­ten gesperrt sein wird. Ein Erd­rutsch vor uns macht sie nur noch ein­spu­rig pas­sier­bar. Immer noch schüt­tet es. Was ein Job. Mehr nass geht nicht, aber sie lächelt. Tap­fer. Eine halbe Stunde spä­ter schlei­che ich an ihr vor­bei, als sie das mobile Stopp­schild umdreht und ein grü­nes „GO“ erscheint.

29

In Haast knurrt mein Magen. Das White-Bait-Schild nach Orts­aus­gang kommt da gele­gen. Ich biege links ab, hol­pere über unzäh­lige Schlag­lö­cher und stehe vor einer klei­nen Hütte mit Grill. „White-Bait-Haupstadt der Welt“ steht an der Ver­klei­dung. Klar, und Kir­chen sind die Spaß­zen­tren auf unse­rer Erde. Aber egal. Heute soll es soweit sein. Der erste White-Bait-Pattie für mich. Die Deli­ka­tesse schlecht­hin. Gerade ist Sai­son. Zehn Wochen lang. Dann schwim­men die fin­ger­lan­gen, gla­si­gen Fisch­lein vom Meer die Flüsse hin­auf, wer­den von den Net­zen der Neu­see­län­der mit viel Frei­zeit geschluckt, bevor sie lai­chen kön­nen und für bis zu 90 Dol­lar das Kilo unter die Leute gebracht. Der schimp­fende Neu­see­län­der an der Ost­küste schwärmte von White Baits. Die Fische wer­den nicht aus­ge­nom­men, ein­fach direkt in Ei gekippt. Neun Dol­lar (5,70 Euro) das Stück. Groß wie eine CD. Oder klein? Soviel White Bait pro Por­tion gibt es sonst nir­gendwo (ist ja auch die Haupt­stadt), sagt die Besit­ze­rin und brät das Mini-Omelette. „New Zea­lan­ders get silly when they just hear it.“ Wurm­breite, durch­sich­tige Fische, gebra­ten mit Ei. Steht es denn so schlecht um Neu­see­lands Küche? Salz, Pfef­fer, Zitro­nen­saft, Minz­sauce. „Like a local.“ Es schmeckt. Ohne Frage. Nach Fisch eben. Wür­zi­ger mit der Minz­sauce. Die ist selbst­ge­macht. Ohne Gewürze etwas lang­wei­lig, das Fisch-Omelette. Das ist er also, der White-Bait-Pattie. Auf Dauer nicht erschwing­lich, wenn der Ver­lan­gende sie nicht selbst aus dem Fluss fischt.


30

Zehn Minu­ten spä­ter stehe ich wie­der vor der Hütte. Mein Radio funk­tio­niert nicht mehr. Mit ihm ist meine mobile Lade­sta­tion lahm­ge­legt. Was einer Backpacker-Tragödie gleicht, denn die nächs­ten 30 Stun­den habe ich nicht vor, in einem Holi­day Park zu über­nach­ten. Die White-Bait-Frau schickt mich zurück nach Haast. Zur Tank­stelle. Mit ange­schlos­se­ner Werk­statt. Ich ahne, woran es hakt. In Dun­edin hatte ich das glei­che Pro­blem. Eine durch­ge­brannte Siche­rung. Gegen Über­hit­zung. Klein wie eine SIM-Karte, unter der Motor­haube. So habe ich das zumin­dest ver­stan­den. Ich habe nicht den Hauch einer Ahnung von Autos, geschweige denn von der Tech­nik dahin­ter. Der Mecha­ni­ker lässt auf sich war­ten. Beim Tee­trin­ken sitzt er mit Freun­den. Ich warte im Auto. 45 Minu­ten. Es nie­selt nur noch. Aber tro­cken wird es nicht mehr. Das passt heute. Ein gemüt­li­cher Tag im Auto bei Regen. Meine Dia­gnose wird bestä­tigt. Zwan­zig Dol­lar. Ich bekomme ein wei­te­res Ersatz­teil mit auf den Weg. Der Kerl ist sich sicher. Die Siche­rung am Toyota brennt noch­mal durch. Dann soll ich Mecha­ni­ker spielen.

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