Neuseeland
November 14, 2014

Mein Neu­see­land (31 - 33)

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Die Mount Fox Route von ges­tern steckt mir noch in den Bei­nen. Ein Genuss war es trotz­dem. Extrem steil und nichts für Unge­übte, schrieb das DOC auf der Infor­ma­ti­ons­ta­fel im Tal. Und wenn die Herr­schaf­ten auch gerne etwas über­trei­ben, so hat­ten sie die­ses Mal recht. Ohne Auf­wärm­phase ging es direkt rein in den Regen­wald. Bergan, ohne Nach­lass über nasse Wur­zeln und durch dich­tes, knie­ho­hes Gestrüpp. Mehr­mals stand ich vor meter­ho­hen Auf­gän­gen und wusste nicht so recht, wie ich da jetzt hoch­kom­men sollte. Doch die Wur­zeln der Bäume rühr­ten sich stets kei­nen Mili­me­ter, fest­hal­ten und mess­ner­haft rauf­zie­hen war somit nie unsi­cher. Über der Baum­grenze dann der Beginn der Matsch­par­tie. Knö­chel­tie­fer Morast nach dem Regen vom Vor­tag. Nach 1 000 Höhen­me­tern das Ziel: Der Mount Fox mit dem siche­ren (dem bes­ten) Pan­ora­ma­blick auf den gegen­über­lie­gen­den Fox-Gletscher. Eigent­lich. Nur hatte sich die Sonne, die den gan­zen Mor­gen schien, gerade jetzt ver­ab­schie­det. Nebel und Wol­ken ver­sperr­ten die Sicht. 90 Minu­ten Aus­har­ren ohne Erfolg. Regenwaldsteiger-Pech. Was blieb war ein Auf­hel­len für nur 15 Sekun­den. Aber auch ein Trek­king­weg genau nach mei­nem Geschmack.


Lang­sa­mer lasse ich es daher heute ange­hen. Glet­scher Num­mer zwei: Der Franz-Josef. 25 Kilo­me­ter nörd­li­cher. Kein Gekra­xel, nur Aus­lau­fen auf Geröll. Die Info­ta­fel ist ein­drück­lich. Im Ver­gleich zu 2010 hat der Glet­scher geschätzte 300 Meter an Länge ver­lo­ren. Das Ende des ein­stün­di­gen Weges ist daher rela­tiv weit weg vom ewi­gen Eis. Tafeln mit abge­bil­de­ten Zei­tungs­ar­ti­keln über töd­li­che Unfälle war­nen davor, die Absper­run­gen zu über­que­ren. Im Minu­ten­takt zischen die Hub­schrau­ber über die Besu­cher. Um noch etwas vom Franz-Josef zu sehen, wer­den sich Neu­gie­rige in Jahr­zehn­ten aus­schließ­lich damit hoch­flie­gen las­sen müs­sen.

Video

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Duschen und Cam­pen ist so eine Sache. Am zwei­ten Tag, auf dem Weg nach Aka­roa fragte ich mich plötz­lich, wie das denn eigent­lich so läuft, wenn man im Cam­per­van unter­wegs bist und nicht immer in Holi­day Parks über­nach­ten will. Geld spa­ren und auf kos­ten­lo­sen Plät­zen blei­ben, das war ja mal die Idee. Die haben aber keine Duschen, manch­mal aber immer­hin einen See oder Fluss. Aber wir haben Okto­ber und das heißt in Neu­see­land: es ist noch kalt. Sehr kalt. Zumin­dest abends, bei Ankunft. Bis­her habe ich es nicht geschafft, in die­ses Was­ser zu sprin­gen. Typi­scher Fall von Warm­du­scher. Ich kaufte mir eine Solar­du­sche, als ich zurück in Christ­church war. So ein Ding mit schwar­zer Umman­te­lung, keine zehn Euro, das sich angeb­lich bei Son­nen­ein­strah­lung erhitzt und somit das Was­ser wohl tem­pe­riert. Seit­dem liegt die mobile Dusche im Kof­fer­raum. Also gibt es nach Tagen mit Schweiß­fü­ßen dann doch zur Beloh­nung den Holi­day Park. Heiße Dusche, Küche, Inter­net.
Das große Los sind aber Münz­du­schen. Public show­ers, für jeden zugäng­lich. Gibt es nur sel­ten. Wie heute im Arthurs Pass Vil­lage. Zwei Dol­lar (1,25 Euro) für sechs Minu­ten. Das ist ok. Lächer­lich teuer war es dage­gen in Wan­aka. Fünf Dol­lar für fünf Minu­ten. Kopf­schüt­telnd wollte ich schon abzie­hen, bis mein Blick am Wasch­be­cken im glei­chen Raum hän­gen blieb, ich mir meine Plas­tik­schüs­sel aus dem Auto holte und ohne Dusch­strahl nach und nach hei­ßes Was­ser über­kippte. Bucket shower, eine groß­ar­tige Erfin­dung aus Südostasien.

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Auf dem Grand Alpine High­way. Der Straße, die den Wes­ten mit der Ost­küste ver­bin­det. Inner­halb von vier Stun­den ist so Meer-Hopping mög­lich, indem man den Arthur’s Pass über­quert. Sinn macht das in der Kürze der Zeit nicht. Wer hier nicht zwi­schen­stoppt, hat ein ernst­haf­tes Pro­blem mit sei­ner Sin­nes­wahr­neh­mung. Bei­spiel Castle Hill. Es wird unse­riös, als ich auf den Park­platz ein­biege. Von wei­tem schon. Je näher ich komme, desto unse­riö­ser wird es. Unmög­lich, soet­was jeman­dem für real zu ver­kau­fen. Lachen würde der­je­nige, einen weg­schi­cken, es nicht für bahre Münze neh­men. Dut­zende, nein, hun­derte Kalk­stein­fel­sen lie­gen kreuz und quer in der Land­schaft. Über­ein­an­der, nen­ben­ein­an­der, bizarr geformt, mas­sive Wände dort, dann wie­der ein­same Hin­kel­steine hier. Keine offi­zi­el­len Wege gibt es durch das Laby­rinth. Laufe erst nach rechts, den Gras­hang hoch, an den ers­ten meter­ho­hen Fel­sen vor­bei. Der erste Blick war schon gut, jetzt wird es aber noch bes­ser. Eine zweite und dritte Ebene türmt sich auf. Voll mit run­den, eta­gen­ho­hen Fel­sen. Per­fekt als Boul­der für Klet­te­rer. Einer ver­sucht sich gerade daran. Sonst bin ich völ­lig alleine auf dem rie­si­gen Areal. Über­all sind Durch­lässe, kleine Tram­pel­pfade. Ich steige 30 Höhen­me­ter nach oben, dann irgendwo wie­der nach unten, auf dem rau­hen, kal­ki­gen Stein. Mache blöd­sin­nige Fotos, viel zu viele Fotos gene­rell. Die totale Begeis­te­rung. Das ist nicht Pop­corn, das ist ein Vul­kan­aus­bruch. Zwei Stun­den laufe ich über Ram­pen, balan­ciere auf Kan­ten, schaue über Vor­sprünge. Wie­der so ein Natur­wun­der. Zurück auf dem Park­platz, fährt gerade ein Auto heran. Ein Mann steigt aus, mit Kamera. Macht fünf, sechs Fotos aus 500 Meter Ent­fer­nung. Steigt wie­der ein, fährt ab. Ohne hin­ter die Fas­sade zu bli­cken. Dein Glück lag doch so nahe, denke ich mir.



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