Malaysia
Juni 18, 2014

Rück­blick: Malay­sia - das unter­schätzte Reiseziel


Es war in Hsi­paw. Einem Städt­chen im Nord­os­ten von Myan­mar. 50 000 Ein­woh­ner klein. Am Ufer des Dut­ha­wadi gele­gen. Als ich erst­mals seit mei­ner Reise durch Süd­ost­asien damit kon­fron­tiert wurde. Bier und Rum waren bereits reich­lich geflos­sen, die Stim­mung gelöst und heiter.

Video Myan­mar

Keine zehn Tage noch, dann würde mein Visum ablau­fen. Und noch hatte ich mir keine Gedan­ken gemacht, wohin mein Weg füh­ren sollte. Eigent­lich hatte ich an Laos und Kam­bo­dscha gedacht. Eigent­lich wollte ich aber auch weg von der uner­träg­li­chen Hitze, die mir hier in Myan­mar arg zuge­setzt hatte. Und in Kam­bo­dscha sollte es nach mei­nen Infor­ma­tio­nen genauso weitergehen.

Ich warf also meine Gedan­ken in die Runde und zehn Minu­ten spä­ter war die Dis­kus­sion in vol­lem Gange - über Malay­sia und all das, was es so zu bie­ten hat. Eine Ame­ri­ka­ne­rin und Kana­die­rin waren erst jüngst von dort gekom­men und somit beste Rat­ge­ber und Rou­ten­pla­ner. Der Rei­se­füh­rer füllte sich schnell mit Krin­geln und Stich­wor­ten. Die poten­ti­elle Rei­se­route war in kür­zes­ter Zeit erstellt.

Es musste nur noch eine Ent­schei­dung her.

Ohne mich!

Schnelle Ent­schei­dun­gen sind nicht mein Ding. Erst­mal aus­führ­lich goog­len, Amazon-Bewertungen durch­le­sen oder noch­mal eine Nacht drü­ber schla­fen. Allein für den Kauf mei­ner Kamera habe ich Wochen gebraucht.
Das passt nicht zu der Aus­sage, spon­tan und ohne Plan rei­sen zu wol­len. Und oft genug muss ich mich daher sel­ber brem­sen, damit ich nicht auch noch die x-te Bus­ver­bin­dung nach A oder B in Betracht ziehe. Alte Gewohn­hei­ten las­sen sich nicht so schnell ändern.

So kam es auch, dass ich erst fünf Tage spä­ter den Flug nach Kuala Lum­pur buchte. Für den dop­pel­ten Preis als wenige Tage zuvor. Das ist ziem­lich däm­lich. Und schmerz­haft für die Rei­se­kasse. Aber ein Plä­do­yer, sich nicht immer so viele Gedan­ken zu machen. Ich arbeite an mir.

Das Land, dass ich nie auf mei­nem per­sön­li­chen Radar hatte, sollte es also sein. Für mich war Malay­sia nie das typi­sche Urlaubs­ziel in Süd­ost­asien. Da dachte ich sofort an Thai­land, viel­leicht noch Viet­nam oder Kam­bo­dscha. Malay­sia löste in mir keine Asso­zia­tio­nen aus. Kein Bang­kok für Thai­land, kein Ang­kor Wat für Kam­bo­dscha, kein Ver­kehrs­chaos für Vietnam.

Malay­sia wird unter­schätzt. Das ist ein Feh­ler. So waren meine 20 Tage. Ein Rück­blick.

Kuala Lum­pur


Was ich gehört hatte: Nicht schön. Zwei Tage rei­chen völ­lig. Nicht mit ande­ren Haupt­städ­ten zu vergleichen.

Wie es wirk­lich war: Drei Tage waren für mich genug. Ers­ter Ein­druck: Modern, geord­net, sau­ber, viel Wer­bung, Glit­zer, Videowür­fel. Wer im Geldverbrennungs-Modus ist, hat viel Mög­lich­kei­ten: Petro­nas Towers, KL-Tower (Fern­seh­turm), KLCC-Aquarium und zahl­rei­che Shop­ping Malls. Wer spar­sa­mer sein will, begnügt sich mit den Batu Caves, Little India, China Town oder Schlen­dern durch die Parks.

Was immer geht: Das Essen. Ich bin gleich zufrie­de­ner, wenn das Essen gut ist. Und das Essen ist gut in KL. Hatte ich am ers­ten Tag mei­nen Inder gefun­den, war ich am zwei­ten und drit­ten Tag wie­der da. Im Bukit-Bintang-Viertel gibt es einen gan­zen Stra­ßen­zug vol­ler Gar­kü­chen und Restau­rants - von chi­ne­sisch, malai­isch, phil­ip­pi­nisch und thai­län­disch ist alles dabei. Wer nicht auf auf sein Steak ver­zich­ten möchte, kommt eben­falls hier vorbei.

Was noch gesagt wer­den muss: Ange­neh­mes Wet­ter im Mai. Nach den fast täg­li­chen Gewit­tern eine Wohl­tat. Schüt­tet es ein­mal, bleibt für die nächste halbe Stunde nur die Flucht ins Tro­ckene. Noch nie habe ich solch lau­tes Don­nern erlebt.

Video Kuala Lumpur

Perhen­tian Islands

Groß­ar­tig: Die Anreise im Nacht­bus. Bein­frei­heit aus­rei­chend. Die holp­ri­gen Stra­ßen wer­den ein­fach „über­fah­ren”. Nach zwei Stun­den merke ich, dass es Wi-Fi gibt. Keine zu kalte Kli­ma­an­lage, keine sinn­be­frei­ten Videos. Viel Schlaf gibt’s trotz­dem nicht. Nacht­bus eben.

Die ers­ten Stun­den: Holp­rig. Nerv­tö­tend. Ich habe für mich Perhen­tian Kecil ent­schie­den, die klei­nere der zwei Haupt­in­seln. Suche zwei Stun­den nach einer Unter­kunft. Bes­ser vor­her buchen, vor allem am Wochen­ende. Treffe einen Ber­li­ner, bestel­len um neun Uhr mor­gens einen Chi­cken­bur­ger. Bedie­nung schaut ungläu­big. Doch zu früh.

Geht gar nicht: Stin­kende Müll­berge hin­ter den ers­ten Häu­ser­fas­sa­den. Pseudo-coole DJ’s, die abends auch ohne Gäste David Guetta nach­ah­men. Mit­tel­mä­ßige Essensqualität.

Dafür aber schön: Schnor­cheln und die andere Seite der Insel. Ers­ter Anlaufs­punkt dort: Coral Bay. Über einen zehn­mi­nü­ti­gen Marsch zu errei­chen. Ruhi­ger und etwas gepfleg­ter. Tipp: Insel auf sicht­ba­rem Pfad gegen den Uhr­zei­ger­sinn ent­lang der Küste ablau­fen. Oder: Im Uhr­zei­ger­sinn, dafür mit mehr Hin­der­nis­sen und Schwimm­ab­schnitt sowie gutem Aussichtspunkt.

Taman Negara

Was ist das? Mit 130 Mil­lio­nen Jah­ren das ver­mut­lich älteste Wald­ge­biet der Erde. Kuala Tahan ist der zen­trale Aus­gangs­punkt für Tou­ren und Sight­see­ing. Von den Perhen­ti­ans mit dem Mini­bus in vier bis fünf Stun­den zu erreichen.

Wie war das? Ehr­lich gesagt hat mich der Natio­nal­park nicht vom Hocker geris­sen. Obwohl ich sehr lange darin saß, denn in den drei Tagen war ich doch recht bequem. Grö­ßere Tou­ren habe ich nicht gemacht. Mit Boo­ten kann man meh­rere Kilo­me­ter den Fluss auf oder ab fah­ren. Mehr als zwei kleine Wan­de­run­gen waren für mich nicht drin. Viel­leicht hat dadurch das Ursprüng­li­che und Ein­zig­ar­tige gefehlt. Wer gewillt ist, kann sicher­lich tolle Natur erleben.

Der Brül­ler: Die Bier­preise. Oder bes­ser gesagt: Der Bier­preis. Denn nur ein ein­zi­ges Hotel ver­kauft in Kuala Tahan Bier. Über­all in Malay­sia ist durch den mus­li­mi­schen Glau­ben Alko­hol extrem teuer. Män­ner sit­zen am Abend nicht mit einer Dose am Tisch, son­dern schlür­fen Kakao und Tee. Ach ja, der Bier­preis: 0,33 Liter für 21 Ring­git, schlappe 4,80 Euro. Viel bes­ser und unbe­dingt tes­ten: Milo - Kakao­pul­ver auf­ge­füllt mit Was­ser und Milch, dafür groß­ar­tig im Geschmack.

Came­ron High­lands

Mal was ganz ande­res: 25 Grad am Tag, unter 15 Grad nachts. 1500 Meter über dem Meer garan­tie­ren Abküh­lung. Seit zwei Mona­ten brau­che ich erst­mals wie­der eine Decke zum Schla­fen. Drei von vier Tagen reg­net es. Am drit­ten Tag wird es dann doch etwas langweilig.

Was tun? Wan­dern. Vier­zehn aus­ge­schrie­ben Trekking-Routen gibt es. Trek Num­mer eins führt bis auf den 2000 Meter hohen Gun­ung Brin­chang. Viele Wege füh­ren an foto­ge­nen Tee­plan­ta­gen vor­bei. Außer­dem: Erd­bee­ren essen. Die gibt es an jeder Stra­ßen­kreu­zung, auch zum Selberpflücken.

Bemer­kens­wert: Die Ein­hei­mi­schen. Setzt ein plötz­li­cher Regen­schauer ein, wird einem auch unge­fragt ange­bo­ten, auf dem Pick-Up oder Motor­rad mit­zu­fah­ren. Mit Jacke macht aber auch das Wan­dern durch die tief­grü­nen Tee­fel­der bei Dau­er­re­gen Spaß.

Höhe­punkt: Neben den Aus­sichts­punk­ten an den Wan­der­we­gen das Essen. In Tanah Rata (Backpacker-Standort) gibt es groß­ar­tige Inder. Super lecker: Hähnchen-Curry, ser­viert auf Bana­nen­blatt. Außer­dem Chi­cken Tan­doori. Unschlag­bar: Roti Canai - es gibt nichts bes­se­res zum Früh­stück, Mittag- oder Abend­es­sen. Gleich­zei­tig haben die Inder auch ein­hei­mi­sches Essen: Nasi Lemak ist ein Ver­such wert.

George Town

Was anders ist: Die Atmo­sphäre in den Hos­tels und Gast­häu­sern. Viele Gebäude sind groß­zü­gig geschnit­ten, haben Auf­ent­halts­räume mit hohen Decken. Was­ser und Tee zur freien Ver­fü­gung ist üblich. In der „Love Lane” gibt es genü­gend Mög­lich­kei­ten zum Unterkommen.

Was nicht ver­passt wer­den darf: Street Art. Über­all in der Stadt an her­un­ter­ge­kom­me­nen Wän­den und in ver­steck­ten Gas­sen. Info-Material und Über­sichts­kar­ten gibt’s kos­ten­los in den Hostels.

Was aus­ge­zeich­net ist: George Town ist Welt­kul­tur­erbe seit 2008. An einem Tag wird man bei wei­tem nicht fer­tig, alle Sehens­wür­dig­kei­ten abzu­klap­pern. Auch hier gilt: Es gibt kei­nen bes­se­ren Tipp- und Rat­ge­ber als die frei ver­füg­ba­ren Bro­schü­ren über his­to­ri­sche Gebäude, Fahrrad-Rundkurse und Ausflugsziele.

Was aus­ge­zeich­ne­ter ist: George Town soll die beste Küche Asi­ens haben. Auch wenn die Gefahr besteht, dass ich mich wie­der­hole: Das ist was dran! In den rie­si­gen Food-Courts gibt es Spe­zia­li­tä­ten aus allen denk­ba­ren Län­dern. Frosch und Bar­be­cue gibt es ebenso wie Unaus­sprech­ba­res aus Tai­wan und Viet­nam. Abends gibt es an der Kreu­zung zur „Love Lane” Stra­ßen­stände, die bis Mit­ter­nacht offen sind. Getes­tet und für gut befun­den: Laksa (eine Art Suppe mit Tama­r­inde, Fisch und Nudeln) und Cen­dol (Des­sert aus Eis, Kokos­milch, grü­nen Nudeln, süßen Boh­nen und Zucker).

Melaka

Sicht­bare Geschichte: Wie George Town liegt Melaka an der Küste West­ma­lay­sias und war frü­her ein Zen­trum des Han­dels für und bis in den fer­nen Osten. Eth­ni­sche und kul­tu­relle Viel­falt gibt es bis heute. Die kolo­niale Geschichte ist meh­rere Jahr­hun­derte alt. Für Geschichts­in­ter­es­sierte ist Melaka eine wahre Fund­grube. Zwar bin ich kein voll­wer­ti­ger Kul­tur­ba­nause, aber stun­den­lan­ges Betrach­ten von Rui­nen, Moscheen und his­to­ri­schen Anla­gen steht auf mei­ner Prio­ri­tä­ten­liste nicht ganz oben. So war das auch in Melaka. Erneut habe ich mich wie­der mehr mit tol­lem Essen und Trin­ken in den unzäh­li­gen Restau­rants beschäftigt.

Was sonst noch schön war: Spa­zie­ren am Melaka River. Die Asia­ten haben es nach mei­nen bis­he­ri­gen Ein­drü­cken nicht so sehr mit net­ten Cafés und Bars am Was­ser. Melaka hat mich posi­tiv über­rascht. Zwar liegt der Fluss im Beton­bett, der geflieste Weg fluss­auf­wärts gibt aber am Abend eini­ges her. Und es gibt tat­säch­lich etli­che Ein­kehr­mög­lich­kei­ten direkt am Fluss.

Die Lage: Eine Bus­stunde von Kuala Lum­pur ent­fernt. Wer von dort star­tet, kann auch erst die West­küste berei­sen und sich dort schon­mal kuli­na­risch einstimmen.

Die Wei­ter­reise nach Sin­ga­pur: Vier bis fünf Stun­den mit dem Bus für gut zehn Euro. In Johor Bahru muss man aus dem Bus aus­stei­gen, sich sei­nen Aus­rei­ses­tem­pel holen, wie­der ein­stei­gen, zehn wei­tere Minu­ten fah­ren, erneut aus­stei­gen (die­ses Mal mit dem gan­zen Gepäck) und offi­zi­ell nach Sin­ga­pur ein­rei­sen, ehe man wie­der in den glei­chen Bus ein­steigt und ins Stadt­zen­trum fährt.

FAZIT
Das Visum bei Ankunft am Flug­ha­fen ist kos­ten­los und gilt gleich für drei Monate. Mög­li­che Rei­se­ziele wären etwa noch die Insel und Frei­han­dels­zone (keine Steu­ern, kein Zoll) Lang­kawi im Wes­ten, die von vie­len Rei­sen­den emp­foh­len wird. Klei­nere und weni­ger tou­ris­ti­sche Inseln (rund um Pulau Tio­man) sind im Osten zu finden.

Die Zeit in Malay­sia hat sich gelohnt. Am Ende waren es „nur” 20 Tage. Der Grund: Die Wei­ter­reise nach Sin­ga­pur und der Flug von dort nach Bali waren schon etwas län­ger geplant, weil ich mich dort mit Freun­den aus Mainz ver­ab­re­det hatte.

Gerne wäre ich län­ger geblie­ben.

Meine Rei­se­route im Über­blick:


Mehr Bil­der aus Malay­sia gibt es auf der Facebook-Seite „Moment des Augen­blicks

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