Myanmar
Mai 19, 2014

Typisch Myan­mar!

Ver­all­ge­mei­ne­run­gen über Län­der zu machen und Sit­ten und Gewohn­hei­ten zu beschrei­ben, sind immer mit der Gefahr ver­bun­den, das Pünkt­chen auf dem i nicht exakt zu tref­fen oder zu schnell von Einem aufs Ganze zu schließen.

Bei Myan­mar ist die Gefahr wohl beson­ders groß. Etwa 55 bis 60 Mil­lio­nen Ein­woh­ner hat das Land, genauer mag das bis­her so recht kei­ner wis­sen. Über 130 eth­ni­sche Grup­pen leben dort. Unter­schied­li­che Regio­nen und Staa­ten wer­den unter­schie­den, in denen wie­derum meh­rere eth­ni­sche Min­der­hei­ten zu fin­den sind. Kon­flikte zwi­schen den Volks­grup­pen sind längst noch nicht aus­ge­stan­den. Der Bur­mese im Süden hat also im Zwei­fel nicht viel mit dem Bur­me­sen im Nor­den gemein.

Meine Myanmar-Einblicke sind also viel­mehr die Ansich­ten eines Tou­ris­ten, der einige Wochen durch das Land reist, aber immer wie­der fest­stellt: Das kommt mir aber bekannt vor! Typisch Myan­mar eben!

1) Sepak Takraw
OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERAEin aus Rat­tan gefloch­te­ner Ball, ein bad­min­ton­gro­ßes Feld und ein paar Mit­spie­ler: Ob auf Sand, Asphalt oder Gras, über­all in Myan­mar sieht man ein­hei­mi­sche Jungs und Män­ner Sepak Takraw spie­len. Ziel des Spiels ist es, den Ball mit den Füßen über das Netz in die geg­ne­ri­sche Hälfte zu spie­len. Berührt der Ball den Boden, ist der Punkt ver­lo­ren und es wird mit der Hand ein neuer Spiel­zug ein­ge­lei­tet. Das Ganze gibt’s auch ohne Netz und Wett­kampf­cha­rak­ter, indem sich die Spie­ler in einem Kreis den Ball so lange wie mög­lich zupassen.

2) Schlechte Infra­struk­tur


In den Groß­städ­ten sind begeh­bare Geh­wege in der Regel nicht zu fin­den. Zuviel pas­siert neben der Straße, um dort auch noch Platz für Fuß­gän­ger zu schaf­fen. Am bes­ten läuft man auf der Straße und lässt sich vom hupen­den Ver­kehr nicht aus der Ruhe brin­gen. Der signa­li­siert damit näm­lich nur, dass gleich etwas von hin­ten ange­rauscht kommt. Gibt es doch mal so etwas wie Bür­ger­steige, tun sich nicht sel­ten rie­sige Löcher im Asphalt auf, die einem aber immer­hin ab und an Ein­bli­cke in Myan­mars Abwas­ser­sys­tem geben.

3) Betel­nuss


Stra­ßen in Myan­mar sind über­all mit ein­ge­trock­ne­tem oder fri­schem roten Spei­chel bedeckt. Der Grund: Fast jeder Mann kaut den gan­zen Tag Betel­nuss, die den Spei­chel­fluss anregt und daher immer und über­all ent­sorgt wird. Taxi­fah­rer öff­nen die Türe, um den roten Saft aus­zu­spu­cken; beim Essen wird unge­niert in die Abfluss­rinne gerotzt. Wird man ange­lä­chelt, blickt man in rote und ver­dor­bene Zähne. Der Betel­nuss wird eine berau­schende Wir­kung nachgesagt.

4) Fuß­ball gucken

Die eng­li­sche Pre­mier Lea­gue ist der Ren­ner im Land. Durch die Zeit­ver­schie­bung wer­den die Spiele live in ein­hei­mi­schen Loka­len auf Fern­se­hern und Lein­wän­den über­tra­gen. Alle Köpfe rich­ten sich dann 90 Minu­ten Rich­tung Matt­scheibe. So ist etwa auch „Grand Royal Whisky” ein wich­ti­ger Spon­sor vom FC Chel­sea. Lan­des­weit wirbt das bur­me­si­sche Unter­neh­men extrem offen­siv mit Pla­ka­ten, auf denen Spie­ler des Lon­do­ner Klubs pran­gen. Doch auch die Bun­des­liga ist nicht unbe­kannt. Allen voran natür­lich Bay­ern Mün­chen. Die Rob­bens und Mül­lers gehen den Bur­me­sen nahezu feh­ler­frei über die Lip­pen. Doch Dort­mund scheint in die­ser Hin­sicht auf­ge­holt zu haben.

5) Curry - all you can eat

Bestellt man in ein­hei­mi­schen Loka­len „curry”, erhält man neben einer Schüs­sel Reis und Fleisch zwi­schen fünf und zehn kleine Tel­ler­chen - gefüllt mit aller­lei Sau­cen, Dips und Gemü­se­sor­ten. Was im Detail dort auf den Tisch kommt, wird einem nicht immer klar. Schmeckt einem etwas beson­ders gut, wird nach­ge­füllt, wenn der Tel­ler leer ist. Ein bes­se­res All-you-can-eat-Ange­bot gibt es nicht - zwi­schen einem und zwei Euro kos­tet der Spaß.

6) Tha­n­aka


„Bemalte Gesich­ter” sind in Myan­mar weit ver­brei­tet. Vor allem Frauen und Kin­der, aber auch einige Män­ner strei­chen sich Tha­n­aka auf die Haut. Die gelblich-weiße Paste wird aus der Rinde des Indi­schen Holz­ap­fel­bau­mes gewon­nen und dient als natür­li­ches Make-up. Außer­dem schützt die Paste vor der extre­men Son­nen­strah­lung. Auf Märk­ten sieht man immer wie­der meter­hohe Thanakaholz-Stapel und Rei­be­steine, auf denen die Rinde mit Was­ser ange­rührt wird.

7) Sin­gen
In Nyaung Shwe am Inle-See habe ich es das erste Mal zu Gesicht bekom­men, oder bes­ser gesagt: zu Ohren. In Man­da­lay hat sich das Schau­spiel fort­ge­setzt. Und in Hsi­paw endete es mit einem Eminem-Rihanna-Cover unse­res Trekking-Guide. Die Bur­me­sen sin­gen immer und über­all. So träl­ler­ten die Hotel­an­ge­stell­ten in Man­da­lay täg­lich im Früh­stücks­raum unge­niert und ohne fal­sche Beschei­den­heit vor Publi­kum. Und auf den Stra­ßen begeg­net man immer wie­der Ein­hei­mi­schen, die ihr ganz per­sön­li­ches Ständ­chen zum Bes­ten geben. Höchst amü­sant und sympathisch!

Vier Wochen in Myan­mar - Das Video

Share Button

Auch lesens­wert

2 Comments

  • […] Die Bedie­nun­gen haben auf jeden Fall stets ein Lächeln auf dem Gesicht und ist die Rech­nung bezahlt, wird oft neu­gie­rig nach­ge­fragt, woher man denn kommt, wohin man geht und wie es einem bis­her gefällt. Das der Restau­rant­be­such län­ger gedau­ert hat, als geplant, ist dann schnell ver­ges­sen. Die Uhren dre­hen sich hier sowieso anders. […]

  • schön geschrie­be­ner Einblick!

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *


*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>